Home Coaching Coach&Coach Podcast Coach&Coach: Coaching für Führungskräfte

Coach&Coach: Coaching für Führungskräfte

15. Oktober 2021 | Coach&Coach Podcast, Coaching

Führungskräfte haben schon oft von Coaching gehört. Entweder weil man von Ihnen erwartet coachen zu können oder weil man hofft, das sie ihre Führungsqualitäten durch Coaching verbessern oder ausbauen können.
In dieser Folge von Coach&Coach beschäftigen ich und Jan Gustav Franke uns mit den Anforderungen die an Führungskräfte gestellt werden und beleuchten die speziellen Herausforderungen von Führungspositionen. Ausserdem gehen wir darauf ein, wie Coaching gerade Führungskräften besonders zu Gute kommen kann.

Fragen und Anmerkungen gerne an bjoern@bjoernbobach.de und kontakt@jangustavfranke.de

 

Listen on Apple Podcasts
Spotify Logo Coach & Coach

Hier die Transkription des Podcast:

Björn
Herzlich willkommen zu einer neuen Folge von Coach und Coach, dem Coaching Podcast mit mir, Björn Bobach und dem Jan Gustav Franke. Hallo Jan, Hallo Björn, wir fangen heute einen neuen Themenkomplex an und zwar werden wir auch immer mal wieder auf die Personengruppen eingehen, die von Coaching besonders profitieren können. Und da haben wir uns für den Start was ganz Spannendes überlegt. Und zwar Führungskräfte. Führungskräfte haben ja besondere Herausforderungen. Und da wollen wir uns heute ein bisschen mit auseinandersetzen und ein bisschen uns darüber austauschen, wie wir als Coaches mit Führungskräften arbeiten können und wo wir helfen können.

Björn
Jan. Bist du Führungskraft?

Jan
Ja, das ist eine gute Frage. Die Frage ist auch immer, ab wann ist man Führungskraft? Also ich habe keine disziplinarische Verantwortung für Mitarbeiter. Wir sind sehr flach organisiert, was unsere Hierarchien angeht. Bei uns in der Beratung in der Unternehmensberatung. Allerdings gibt es natürlich auch neben Reinig nehmen daran disziplinarischen Verantwortung für Mitarbeiter, die einem selbst auch in der Organisation Organisation zugeordnet sind. Auch die fachliche Führung in dem Zusammenhang und da ist quasi meine Aufgabe, im Prinzip auch innerhalb der Projektteams auch mitzuführen, auch jüngere Kollegen anzuleiten.

Jan
Aber auch in der Vergangenheit. Ich habe Projektentwicklung gemacht für erneuerbare Energien beispielsweise, wo wir ganz unterschiedliche Projektteams auch hatten, von internen Kollegen, von externen Kollegen, wo man dann tatsächlich fachlich führen musste und auch gerade innerhalb eines Unternehmens, das ja auch noch mal eine besondere Herausforderung finde, ich quasi dann nicht über die über den disziplinarischen Weg kommen kann, sondern im Grunde genommen muss man die Menschen für sich begeistern und darüber im Grunde nur für die Sache begeistern und darüber führen.

Jan
Das heißt aber, diese klassische Führungsrolle, also Vorgesetzter, bin ich nicht. Aber ich glaube, du hast da Erfahrung in dem Zusammenhang, richtig.

Björn
Ja, ein bisschen. Also momentan. Momentan bin ich Führungskraft in einer Zahnarztpraxis. Das ist ein Freund von mir, der mich gebeten hat, irgendwann, ob ich ihn da unterstützen kann, weil die Praxis relativ groß geworden ist und das einfach über seine Zeit und Kapazität hinausgegangen ist. Ähm, da arbeiten so rund 15 Menschen. Und für die bin ich schon Ansprechpartner. Und da bin ich auch disziplinarisch. Also der lässt mir da relativ freie Hand. Wir sprechen zwar alles ab, aber da habe ich auch disziplinarische Gewalt, wenn man so sagen will.

Björn
Wobei das Wort Gewalt natürlich in dem Zusammenhang ganz spannend ist.

Jan
Das ein starkes Wort auf jeden Fall.

Björn
Ja, ja, ja und davor? Also bevor ich mich selbstständig gemacht habe, hatte ich ja auch eine Führungsposition bei Apple. Da war ich aber nur so halb disziplinarisch, weil ich habe dann nicht die endgültige Entscheidung getroffen, wenn es um disziplinarische Maßnahmen ging. Aber ich war an der Entscheidungsfindung beteiligt und das war natürlich ein viel, viel größeres Team. Aber es war auch eine Führungskraft, aber eine ganz andere als jetzt.

Jan
Ich meine, das ist quasi der eine Punkt, was wir selbst machen oder was unsere eigenen Erfahrungen damit sind. Aber wo uns natürlich auch täglich Führungskräfte begegnen, ist in unserem beruflichen Umfeld, also bei mir auch ganz konkret. Innerhalb einzelner Beratungs Projekte arbeite ich eigentlich mit allen Mitarbeitern von Unternehmen zusammen. Von Fachexperten über Gruppenleiter, Teamleiter, Abteilungsleiter, Geschäftsführung, Vorstand hat man damit allen zu tun, also über alle Ebenen. Und ja, da stellt man natürlich dann auch fest, was ist so für unterschiedliche Ansprüche an Führungskräfte gibt und das finde ich, ist schon sehr komplex und und übergreifend und geht über das Fachliche hinaus.

Jan
Und ich finde das. Immer wieder interessant, auch da mit dem Menschen in Kontakt zu kommen, festzustellen, wie sie mit diesen Ansprüchen an sich umgehen jeder ist da auch vom Stil her unterschiedlich und wie wir auch damit gelebt wird. Jeder sieht da auch andere Themen, die da herausfordernd sind in dem Zusammenhang.

Björn
Ich habe mich mal mit jemandem unterhalten, der in einem Unternehmen arbeitete, wo vor allem Vorbildfunktion gelebt werden sollte. Und damit war der völlig überfordert. Und das konnte ich auch nachvollziehen, weil wenn man sagt Du musst vorbildlich sein, ist die Frage Wie kann ich Vorbild sein, obwohl ich nicht auf der gleichen Ebene bin. Und wie kann ich Vorbild sein, wenn ich eigentlich einen ganz anderen Job mache, den ganzen Tag? Das ist schon eine gute Frage, finde ich.

Björn
Und die dieses Leading from the Front, was ja auch immer wieder propagiert wird, was auch, finde ich ein guter Ansatz. Es stellt eine Führungskraft natürlich auch wieder vor die Herausforderung Wie kann ich von vorne aus führen und mitziehen und mitreißen und mitmachen, aber trotzdem immer noch eine Respektsperson sein? Weil auch das ist für eine Führungskraft ja wichtig. Wie erarbeite ich mir den Respekt von meinen Mitarbeitern?

Jan
Klar. Genau. Also ich finde das auch interessant. Also auch wenn man sich den Wandel anschaut über die Jahre oder Jahrzehnte. Und auch wenn ich dann mal so mit älteren Freunden, Bekannten oder Verwandten auch spreche, die auch Führungspositionen inne hatten oder haben, dann hat sich glaube ich das Thema Führung überhaupt auch sehr gewandelt. Über die letzten Jahrzehnte, also immer weiter weg von von dem hierarchisch Orientierten sozusagen eine Weisung und und Ausführung hin zu auch kooperativen Führungsstil, die sich da entwickelt haben.

Jan
Aber wie du schon sagst, in dem Zusammenhang, wo quasi die Hierarchie flacher wird, entwickelt sich oder verändert sich natürlich auch das System oder das Verhältnis zwischen Mitarbeiter und Vorgesetzten mit allem, was dazugehört. Sie hat eine andere Distanz als ein Du unter Umständen. Beides hat seine Vor und Nachteile, wie ich finde. Und genauso, wenn es im Grunde genommen darum geht, auch quasi inhaltlich zu führen, menschlich zu führen. Dann wird man natürlich immer mehr auch als gesamte Person gefordert, als Führungskraft in dem Zusammenhang.

Jan
Es geht nicht nur rein um das Fachliche oder es geht nicht nur allein um die Rolle, die man ausfüllt, sondern man offenbart sich da auch ein Stück weit als ganzer Mensch. Man wird viel greifbarer und auch verletzlich. Ja, man spricht ja auch durchaus dafür, darüber, dass auch der Führungskräfte da auch offen sein sollen, auch in der Fehlerkultur und auch da zeigen sollen, auf was man was vielleicht mal falsch läuft oder was schief gelaufen ist in dem Zusammenhang.

Björn
Genau. Ja und es wird halt, sage ich jetzt mal, so glaube ich, von der nachwachsenden Generation, also von den sehr jungen, auch nicht so richtig verstanden, was eine Führungskraft ist. Eine Beobachtung, die ich mache, weil halt die Kultur mittlerweile ja gang und gäbe ist in den Unternehmen. Also ich kenne wenige Unternehmen, wo immer noch auf das sie gepocht wird, also bei uns einschließlich. Und das bringt ja eine ganz andere Form auch wieder von einem respektvollen Umgang miteinander, wie also jemanden, den ich duze.

Björn
Trotzdem als meinen Chef zu akzeptieren, als meinen Vorgesetzten zu akzeptieren, fällt auch vielen schwer. Und damit muss ich eine Führungskraft auseinandersetzen. Und das das, was ich halt beobachte ist ich glaube, dass. Es wird oft unterschätzt, was es bedeutet, eine Führungskraft zu sein, so lange man es nicht ist. Das ging mir glaub ich auch so. Damals das. Das ist ein Posten, den man anstrebt. Das verspricht mehr Gehalt, mehr Verantwortung. Ist alles sehr reizvoll.

Björn
Aber diese ganzen Dinge. Die dann von außen. Zusätzlich. Auf einen innen. Strömen im Sinne von in Frage gestellt werden. Das ist ja auch sehr häufig so, dass dann jemand sagt Warum ist er es, wenn ich es nicht, dass die großen Augen, die einen angucken, wenn es um eine Richtungsentscheidung geht. Kritische Entscheidungen möglichst schnell zu treffen und so. Das ist eine Menge Druck, die da auf den Menschen herrscht, auf den Menschen liegt. Und das ist ein Punkt, wo Coaching ja auch ansetzen kann.

Jan
Ja, absolut. Also ich würde gerne noch mal bei einem Punkt nochmal kurz einhaken oder noch mal einen Moment verweilen. Und das ist im Prinzip die. Dieses Verständnis davon, was ist eine Führungskraft oder was ist eine richtige Führungskraft? Ich glaube, ich habe ja sowieso so ein Thema mit richtig und falsch und so in dem Zusammenhang. Aber ich glaube ja, es gibt unterschiedliche Verständnisse davon, was was ist eine Führungskraft und wie stellt sie sich dar. Ich bin aber auch der Meinung, ich habe jetzt auch schon duz Kultur bis ganz, ganz hoch mitbekommen, in den Vorstand und so weiter.

Jan
Und da ist trotzdem ein Respekt zu spüren. Meiner Meinung nach auf jeden Fall, der also auch schon naturgegeben ist und auch dann teilweise damit zu tun hat, wie auch jemand etwas ausstrahlt und das man eigentlich bei einem ganz wesentlichen Punkt Respekt und Respekt der ergibt sich meiner Meinung nach eigentlich nicht aus der, nicht aus der Anrede, nicht aus der Rolle oder wie auch immer, sondern auch darüber, dass man im Prinzip ja eine gewisse Haltung an den Tag legt und sich auch Respekt verdient.

Jan
Also ich glaube, es gibt Gehorsam und und sozusagen Dinge ausführen, weil jemand das qua Amt fordern kann und durchsetzen kann, dann wird das getan. Aber ein Despot wird nicht respektiert, obwohl das getan wird, was gemacht wird, weil man die weil man die Folge vor der Folge Angst hat, hat man aber keinen Respekt. Vielleicht in dem Sinne im Sinne von Achtung und das hat auch Angst, hat man Angst und das System kann trotzdem funktionieren. Ja, also im Sinne von funktional sein, wenn auch nicht zum Wohle aller.

Jan
Aber ich glaube, dass tatsächlicher Respekt nur über den Menschen und über das Vorleben gelebt werden kann, der auch erreicht werden kann. Respekt. Dem muss man sich verdienen und der funktioniert nur freiwillig. Das ist ja auch das Interessante. Mit dabei finde ich ja aber nicht geringen Respekt zu haben vor mir natürlich nicht.

Björn
Es ist absurd, wenn das ginge oder es wäre leicht. Besser gesagt, das wäre ja ganz einfach. Aber ich bin schon oft die Frage gestellt. Also mir ist oft die Frage gestellt worden warum hat man keinen Respekt vor mir? Hmmm. Also nicht meine Person, sondern das Gegenüber fragt mich Kannst du dir erklären, warum die Leute vor mir keinen Respekt haben? Ja, und das ist natürlich so schnell nicht zu beantworten. Man kann dann ganz schnell sagen Ja, vielleicht bist du zu nett.

Björn
Oder Vielleicht weißt du nicht genug. Vielleicht bist du fachlich nicht gut oder was weiß ich. Aber es hat auch ganz viele andere Fragen ein Ja, was denn?

Jan
Also die Frage ist ja auch schon mal in dem Zusammenhang Wie stellst du denn fest, dass jemand keinen Respekt vor dir hat? Woran machst du das fest, dass da kein Respekt da ist? Also ist es vielleicht auch eine persönliche Wahrnehmung davon, dass kein Respekt da wäre. Und vielleicht ist aber eigentlich Respekt da. Hmm. So, also das ist, das geht so tief. Dieses ganze Thema Respekt also dadurch, dass es halt eben auch nicht so greifbar ist, ist ja sehr weicher Faktor in dem Zusammenhang und es hat immer was mit Wahrnehmung zu tun, sowohl von demjenigen, der respektiert wird aus Sicht desjenigen, der respektiert wird, als auch, dass jeder aus Sicht desjenigen oder derjenigen, die andere respektieren.

Jan
So und und das ist finde ich das Interessante dabei, dass ist halt einfach so gar nicht schwarz und weiß, sondern da ganz, ganz viele Grautöne dazwischen sind.

Björn
Aber das sind Menschen. Ja, das bringt Menschen aber wirklich in selbst Krisen. Also wenn Sie den Eindruck haben, ich bin eigentlich Führungskraft, es respektiert mich keiner und wenn es nur der persönliche Eindruck ist, der kann ja das ganze schaffen und Tun im Alltag in Frage stellen. Und solche Leute sind mir auch schon begegnet, die so ganz tolle Positionen bekleidet haben. Aber durch diesen Eindruck, diesen persönlichen Eindruck ähm, einfach keinen Spaß mehr an dem hatten, was sie tun.

Jan
Ja, und da kommen wir ja auch zu den Herausforderungen, denen Führungskräfte eigentlich tagtäglich begegnen Unsumme. Das ist das eine Thema, sicherlich auch Umgang mit Respekt. Nur werde ich respektiert, fühle ich mich auch gewertschätzt. Und da ist ja auch ein großes Thema mit dabei, dass Führungskräfte auf einer ganz anderen Ebene ein Feedback bekommen. Als Mitarbeiter. Als Führungskraft. Also es wird ja quasi immer dünner. Also wenn ich jetzt mir so eine Pyramide vorstelle Ich habe oben immer weniger Führungskräfte.

Jan
Das heißt, allein die Anzahl von Personen auf gleicher Ebene, die mir Feedback geben oder darüber, wie die schwindet, ja, die wird immer geringer. Unter Umständen gibt es auch je nachdem, was für eine Art von Organisation ist, auch vielleicht eine erhöhte Konkurrenz oder so was auf der gleichen Ebene. Das kann auch eine Möglichkeit sein. Aber das, was ich jetzt sage ich mal allein unter Kollegen habe, ein positives Feedback geben oder so. Was? Die Frage ist halt Wie oft kommt so was aus der Mannschaft, aus dem Team, zu der Führungskraft?

Jan
Das Posi, das offene, objektive Feedback also, von dem ich auch das Gefühl habe, es ist ein ehrlich gemeintes Feedback. Also ist es nur, weil die Führungskraft bin. Es ist nur deshalb positiv oder negativ. Oder ist das wirklich objektiv? Und das heißt, dieses, dieses Feedback, das fehlt, das ist, glaube ich, eine große herausfahren. Das ist das, was ich schon viel gehört habe, auch von Selbstständigen, die sagen Ich mache und tue, aber ich höre eigentlich von niemandem.

Jan
Mal mach ich das dann eigentlich gut, was ich das tue. Es ist so ganz selten, ganz selten. Es ist wirklich selten, dass ein Kunde mal hinterher sagt Ich meine, da rede ich aus Erfahrung, dass ein Kunde mir sagt Mensch, wenn wir dich nicht hätten. Ist schon vorgekommen, ein paarmal, aber es ist nicht die Regel.

Jan
Umso mehr freut man sich dann. Ja, genau. Ja, und ich glaube, eine andere Herausforderung, die ich mir auch vorstellen kann in dem Zusammenhang ist, ist das Thema Sandwich Position und das ist ja eigentlich kaum eine Position gibt, in der ich ganz, ganz oben bin, sondern auch wenn ich mir jetzt quasi das anschaue als Führungskraft, wenn ich eine Gruppenleiter bin, dann habe ich vielleicht ein Abteilungsleiter über mir und der Abteilungsleiter hat Ansprüche an Ziele an mich.

Jan
Gleichzeitig hat das Team Ansprüche an mich, wie ich den führen soll, was ich wie entscheiden soll, was ich auch für eine Autorität oder Durchsetzungsfähigkeit vielleicht innerhalb des Unternehmens habe. Wenn ich eine Ebene höher drüber gehe, also in die Abteilungsleitung, dann habe ich eventuell Teamleiter unter mir. Ich habe über mir Bereichsleiter oder eine Geschäftsführung oder ein Vorstand. Und selbst ein Vorstand wird dann wiederum von einem Aufsichtsrat überprüft. Und auch da gibt es gewisse Ziele, vielleicht auch von Anteilseignern, die etwas haben wollen und.

Jan
Und selbst wenn ich Geschäftsführer meiner eigenen Firma bin, dann habe ich da zumindest Kunden, die auch einen gewissen Anspruch haben und ein Markt, der vielleicht was fordert. Und das heißt, ich bin eigentlich immer in einer Sandwich Position und. Und damit muss man auch erst einmal umgehen lernen, denke ich.

Björn
Na ja, also man muss irgendwie alle Seiten so bedienen und die genau, was du gerade gesagt hast. Mir ist gerade das Beispiel Apple eingefallen, weil da sitzt ganz oben ein CEO, der heißt Tim Cook, aber der hat auch einen Aufsichtsrat über sich, vor dem er sich rechtfertigen muss. Und der Aufsichtsrat hat auch wieder den Aktionären verpflichtet. Im Prinzip. Das Absurde ist, dass die Aktionäre einzeln wieder überhaupt keine Macht haben. Die können abstimmen in der Aktionärsversammlung.

Björn
Aber also man ist, du sagst es schon richtig, man ist nie ganz oben, man ist immer, man ist immer irgendwem Rechenschaft schuldig, auch als Führungskraft.

Jan
Und das ist, glaube ich etwas, was ich bin mir gar nicht so sicher, ob das über ob das auch auf Mitarbeiter Ebene immer so bekannt ist, also so wahrgenommen wird, dass die Situation auch so herausfordernd ist. Spätestens wenn man dann in die Situation kommt, wird es glaube ich sehr schnell erfahrbar, was da alles für Ansprüche auf einen zukommen. Und dann kommt man auch unter Umständen in gewisse Dilemma. Situationen also, wo ich im Grunde genommen nicht die Entscheidungen treffen kann, die alle Seiten komplett glücklich macht, wo ich mich bewege in dem Ziel Dreieck zwischen Zeit, Qualität und Geld.

Jan
An irgendetwas mangelt es immer und das Optimum, das hundertprozentige Optimum, was alle Seiten zufriedenstellt, das kann ich vielleicht gar nicht erreichen. Und das heißt, ich muss irgendwie eine Entscheidung treffen, die aus meiner Sicht nicht optimal ist. Aber diese Entscheidung, die wird von mir auch verlangt als Führungskraft.

Björn
Wie kann Coaching denn helfen, Jian?

Jan
Ich finde, Coaching hat. Viele Potenziale in dem Zusammenhang. Das heißt einerseits. Gibt es sicherlich die Möglichkeit, wenn ich jetzt über den Umgang mit Mitarbeitern spreche und auch das Entwickeln von einer Führungsrolle, dann habe ich die Möglichkeit über Coaching und auch Coaching Methoden, also nicht nur gecoacht werden, sondern auch lernen, wie Coaching funktioniert und wirkt, da auch entsprechende Führungsqualitäten zu entwickeln und anzuwenden.

Björn
Coaching Kompetenzen sozusagen.

Jan
Genau Coaching Kompetenzen. Die Frage ist ja auch immer, wie man da führen möchte, ob man so führt, dass man allen Mitarbeitern sagt Tu dies, tu jenes oder ob man auch ganz bewusst einfordert, dass Mitarbeiter selbst entwickeln und selbst auf Ideen kommen und da auch quasi selbst mündig werden, kreativ werden und so weiter. Und das wird ja auch dann teilweise so als fragender Führungsstil bezeichnet. Also dass man sagt Wenn du ein Problem hast, dann oder eine Frage hast du in dem Zusammenhang, die du entschieden haben möchtest, dann komm doch vielleicht schon mal mit zwei oder drei Antwort Option und gib mir eine Empfehlung.

Björn
Ich glaube, ein anderer wichtiger Faktor grundsätzlich ist die Verbesserung der Kommunikation und damit meine ich jetzt nicht Kommunikationswege, sondern den Stil der Kommunikation. Manche müssen das vielleicht auch erst entwickeln. Da gibt es ja zum Beispiel das Konzept der Transaktionsanalyse. Also in welchem, in welchem Modus spreche ich eigentlich mit meinen Mitarbeitern und warum reagieren die dann so, wie sie reagieren? Das ist, glaube ich, vielen Führungskräften gar nicht so bewusst. Oder die vier Seiten einer Nachricht von Schulz von Thun finde ich da auch ganz spannend, was man ja wie man Nachrichten eigentlich verpackt und was beim anderen ankommt.

Björn
Und dass ja eigentlich der Empfänger über die Wirkung entscheidet, ist auch eine ganz spannende Geschichte, die Führungskräften helfen kann, wenn man so was im Coaching mal durchdringt. Und eines seiner Lieblingsthemen der Perspektivwechsel.

Jan
Richtig? Absolut, ja, also grundsätzlich auch. Also was ich jetzt bisher auch aus dem ganzen Coaching mitnehme, ist ja auch gar nicht nur als Verbesserung im Sinne von vorher hat man was falsch gemacht sehen, sondern vielmehr als etwas, das einen schlauen Spruch gesagt hat. Was man nicht weiß, kann man nicht wissen. Das ist so, aber da ist total viel dran. Wenn ich vorher gar nicht weiß, wie bestimmte Dinge wirken oder warum sich jemand so verhält, wie er verhält, wie er sich verhält und ich dafür kann kann, das nicht nachvollziehen kann.

Jan
Dann fällt es auch schwer, damit umzugehen. Aber wenn ich lerne zu verstehen, was Menschen umtreibt, warum Konfliktsituationen entstehen, wie man kommunizieren kann oder was meine meine Art von Kommunikation bewirkt, beim anderen vielleicht auch aus Dingen führt, ist das aus meiner Sicht eine neutrale Kommunikation. Aber vielleicht geht da in meinem Gegenüber irgendwas anderes ab, was ich gar nicht weiß auf Anhieb und das triggert da irgendwas und deshalb kommt eine gewisse Reaktion. Aber wenn ich dafür ein Verständnis entwickle, dann kann ich das natürlich auch entsprechend zum Positiven nutzen und eben auch zum Wohle der Kommunikation und zum besseren Verständnis zwischen Personen.

Jan
Und das finde ich, ist auf jeden Fall eine tolle, tolle Sache.

Björn
Aber ich glaube auch. Ich glaube auch toll ist eigentlich, wenn man. Und da kann Coaching auch wo du gerade deinen Satz zitiert, das ist mir ein anderer Satz den Kopf geschossen. Jetzt komm ich mal, den habe ich mal auf einer Weinflasche gelesen. Vino veritas ja, genau, allerdings, da war ich sehr, sehr jung. Und den Spruch las man auch erst, als die Flasche leer war. Also das war so hinten auf ein Etikett gedruckt, das stand drauf.

Björn
Wer glaubt, etwas zu sein, hat aufgehört, etwas zu werden. Und das ist auch ein Thema bei Führungskräften auf häufig, die sagen Nein, ich bin doch Führungskraft. Und ich glaube, eine Führungskraft hat eigentlich die Aufgabe, sich permanent weiterzuentwickeln. Das ist halt kein Sachbearbeiter, das ist niemand, der immer den gleichen Job jeden Tag macht. Und da kann Coaching unglaublich unglaublich helfen, wenn man diesen Entwicklungsprozess anstößt, neue Impulse geben kann, wenn man sich darüber klar wird, wie man Ziele definiert für sich selbst, welche Ziele man überhaupt definiert.

Björn
Und auch ein bisschen das Verständnis dafür stärkt, dass man eigentlich nie angekommen ist. Weil es vielleicht so zusammenfassen. Das ist meine persönliche Erfahrung. Gute Führungskraft ist man bis zum nächsten Mitarbeiter. Es gibt ja heute ein Potpourri an schlauen Sprüchen.

Björn
Ja, aber ich weiß, was ich meine. Na, weil es versteht einem Team, das schon seit Jahren funktioniert hat, alles super. Und dann kommt ein neuer Mitarbeiter und dann geht das Lernen von vorne los, weil das wieder ein eigener Mensch ist, an dem er sich wieder anders motivieren und anpacken. Also von daher die Entwicklung hört da eigentlich nie auf.

Jan
Ja, wobei, also das ist so bei mir tatsächlich bislang. Also in der Summe würde ich sagen, es ist der Großteil von Führungskräften, die mir tagtäglich begegnen, auch sehr in der Entwicklung und auch sehr bestrebt, sich weiterzuentwickeln. Aber nichtsdestotrotz ist dieses Thema Feedback bekommen, neue Impulse bekommen, eine objektive Sicht auf die Dinge bekommen oder sich auch einfach mal strukturiert mit jemandem austauschen, was ja auch im Prinzip alles Coaching Themen sind. Ob das jetzt als Coaching bezeichnet wird oder nicht, sei mal dahingestellt.

Jan
Aber das ist ja quasi Coaching. Ist ja auch eine Form von Beratung und so sind die Übergänge da auch meiner Meinung nach fließend. Und ich glaube, dass diese Aspekte auch Coaching, Coaching, Tools, Coaching Techniken da mit einzubringen unheimlich helfen kann. Also auch in solchen Gesprächen und dass einem das auch als Führungskraft helfen kann, auch so was in Anspruch zu nehmen, einfach mal auch mal was vielleicht mal auszuprobieren. Also auch hinsichtlich Perspektivwechsel oder eines neuen Impulses.

Jan
Manchmal ist es ja auch so, dass das natürlich auch gerade in der Unternehmensberatung der Fall. Es gibt ein Thema und das wurde auch innerhalb des Unternehmens schon durchdacht. Und manchmal geht es ja auch darum, so eine Secondo Pinyin zu bekommen oder einfach mal eine andere Sicht auf das gleiche Thema, weil man es vielleicht auch innerhalb des Unternehmens schon sehr durchdacht hat. Aber vielleicht gibt es noch einen anderen Ansatz, den man aus dem eigenen System heraus noch gar nicht sieht.

Jan
Also was ist, was gar nicht damit zu tun hat, dass man das nicht kann. Also diese ganzen Kompetenzen sind innerhalb des Unternehmens da. Nur manchmal muss man oder hilft es, wenn irgendwie Fragen gestellt werden. Und auf einmal kommt eine ganz neue Erkenntnis dabei heraus. Und das sind halt so Punkte, die aus meiner Sicht da eben im Coaching auch oder in den Coaching echt unterstützen kann. Interessant finde ich, dass ja auch da eine Veränderung da ist von dem ursprünglichen Verständnis.

Jan
Coaching ist wenn überhaupt etwas für Führungskräfte Manager also eher relativ hoch. Da tut man so was. Und mittlerweile sage ich mal, diffundiert das ja immer mehr die ganzen Organisationen und es geht quasi über alle Ebenen und kann da im Prinzip auch wirklich tolle Impulse bringen. Und überall steht die Kommunikation mit Fördern und auch das Funktionieren eines Systems fördern.

Björn
Genau. Aber es gibt ja auch Team Coachings, also das zum Beispiel genau was zum Beispiel Kommunikationskultur angeht, Feedback, Kultur, solche Sachen. Das kann man ja auch wunderbar mit einer Gruppe mit Coaching Mitteln machen. Also die Liste ist unendlich schwer. Wir werden jetzt noch zwei Stunden weiter reden können.

Jan
Könnten wir auf jeden Fall, aber ich glaube, wir werden uns vielleicht noch auf andere Themen aufteilen. Aber in der Tat, das Thema Team Coaching ist auf jeden Fall sicherlich auch noch mal eine eigene Folge wert. Genauso wie auch nochmal der Aspekt. Du hast ja sogar einen Blogartikel auch zu einer Warum Business Coaching auch immer Personal Coaching ist wichtig genug. Auch das ist noch mal ein Thema, weil die, die wir sind, immer als Mensch unterwegs, als Ganzes, auch wenn wir quasi in einer Rolle sind.

Jan
Und da haben wir, glaube ich sicherlich noch die eine oder andere Folge, in der wir dann quasi an diese Inhalte hier anknüpfen können.

Björn
Also da auf die Folge freue ich mich schon. Das ist ja auch so ein Herzensthema Work-Life-Balance. Völlig falsch verstanden, oft. Also das ist auch für Führungskräfte sehr wahrscheinlich wieder ein spannendes Thema, weil die haben ja in der Regel weniger Freizeit. Also zumindest die, die ich kenne. Aber wie gesagt, wir könnten jetzt noch stundenlang weiterreden und hätten immer noch nicht alles erschöpfend zu dem Thema Was ist Führung? Wie kann man das unterstützen? Wie kann man sich da weiterentwickeln?

Björn
Sprochen Also das werden wir sehr wahrscheinlich immer mal wieder aufgreifen.

Jan
Ganz genau. Ja, auf jeden Fall hoffen wir, dass euch diese Folge gefallen hat. Und wir freuen uns schon auf das nächste Mal. Wenn ihr mehr Informationen haben möchtet oder auch direkten Kontakt zu uns haben möchte, dann findet ihr uns auf unseren Homepages bjoernbobach.de und jangustavfranke.de. Und dann verabschieden wir uns für heute und freuen uns auf das nächste Mal mit euch.

Björn
Bis bald, ciao!

Jan
Auf Wiederhören!

Weitere Beiträge

Coach&Coach: Richtig miese Tage

Coach&Coach: Richtig miese Tage

Wenn sich schon die Kaffeemaschine morgens mit dem Rest der Welt gegen uns verschworen hat: richtig miese Tag gibt es!Jan Gustav Franke und ich ergründen in dieser Folge wie schlechte Tage entstehen können und vor allem,  wie man sie in richtig gute oder zumindest...

mehr lesen
Coach&Coach: Intuition

Coach&Coach: Intuition

Kann uns Intuition helfen und was ist das überhaupt? Jan Gustav Franke und ich diskutieren in dieser neuen Folge, in welchen Situationen uns Intuition leiten kann und wann nicht. Außerdem gehen wir der Frage nach, ob sich Intuition trainieren und erlernen lässt....

mehr lesen
Coach&Coach: Das innere Team

Coach&Coach: Das innere Team

Wer bin ich und wenn ja wie viele? Dieser bekannte Buchtitel könnte Pate für die neue Folge unseres Podcasts gestanden haben. Allerdings beschäftigen Jan Gustav Franke und ich uns hier nicht mit dem Buch, sondern mit dem Coaching Tool des inneren Teams basierend auf...

mehr lesen