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Coach&Coach: Die Macht der Gewohnheiten

29. Oktober 2021 | Coach&Coach Podcast, Coaching

Gewohnheiten gibt es viele, meistens gute die wir uns wünschen, und manchmal schlechte die wir loswerden wollen. Warum sind manche Gewohnheiten in uns stärker verwurzelt als andere? Wie kann man gute Gewohnheiten stärken und schlechte abbauen?
In dieser neuen Folge von Coach&Coach beschäftigen ich und Jan Gustav Franke uns auch mit unseren persönlichen Erfahrungen und wie Coaching dabei unterstützen kann gewünschte Gewohnheiten aufzubauen.

Das im Podcast genannten Buch „Die 1% Methode“ von James Clear findet ihr hier;
Die 1% Methode

oder auf Englisch:
Atomic Habits

(Affiliate Links, ich bekommen eine kleine Provision wenn ihr auf den Link klickt und das Buch kauft.)

Fragen und Anmerkungen gerne an bjoern@bjoernbobach.de und kontakt@jangustavfranke.de

 

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Hier die Transkription des Podcast:

Björn
Hallo und herzlich willkommen zu einer neuen Folge Coach und Coach mit mir Björn Bobach und Jan Gustav Franke. Hallo Jan, Hallo Björn, heute ein Thema, mit dem ich mich jetzt durch ein Buch, über das wir bestimmt gleich auch noch sprechen werden, intensiver befasst habe. Und das sind Gewohnheiten, die allmächtigen Gewohnheiten. Ein ganz spannendes Thema, das sehr nah an unserer Identität sitzt. Und da frage ich mal gleich den Jan nicht gleich provokant. Jan, was ist denn eine Gewohnheit, die du gerne loswerden würdest?

Jan
Eine Gewohnheit, die ich gern loswerden würde. Ich sage mal, eine Gewohnheit, die ich gerne loswerden würde, wäre zum Beispiel ein etwas kreatives Chaos, was ich manchmal irgendwo hinterlasse, auch an Schreibtischen. Und da habe ich heute sogar was dafür getan, dass es anders wird. Ich habe mir heute den Schreibtisch aufgeräumt.

Björn
Sensationell. Genau das war jetzt die negative Form von Gewohnheiten. Gewohnheiten loswerden, schlechte Gewohnheiten. Aber die positiven Gewohnheiten sind, glaube ich, das, was wir heute auch ein bisschen in den Vordergrund stellen würden und wollen uns ein bisschen damit auseinandersetzen, wie man positive Gewohnheiten aufbauen kann. Bestimmt auch, wie man schlechte Gewohnheiten abstellen kann und warum es so wichtig ist, sich über seine Gewohnheiten Gedanken zu machen. Was sind Gewohnheiten? Jan.

Jan
Was sind Gewohnheiten, Eigenheiten sind erst mal Dinge, Handlungsweisen, die wir regelmäßig tun, bewusst oder unbewusst. All das können aus meiner Sicht Gewohnheiten sein.

Björn
Ja, ich glaube, ein ganz wichtiges Kriterium für Gewohnheiten ist, dass sie automatisch ablaufen, also dass das nicht Dinge sind, über die ich vorher mir ganz groß Gedanken mache. Also jetzt zum Beispiel Du hast jetzt einen Schreibtisch aufgeräumt. Das ist ein schönes Beispiel. Das wirst du geplant haben. Du hast dir sehr wahrscheinlich in dem Moment, auch wenn es auch nur kurz ist, hast du dir, überlegst du? Jetzt räume ich aber mal gründlich meinen Schreibtisch auf.

Jan
Ich habe tatsächlich einfach identifiziert, dass es mal notwendig ist, angetan Zusammenhang gleichzeitig mit dem mit der Idee, dass man das regelmäßig tun könnte. Aber klar, also Gewohnheiten können automatisch sein, absolut. Aber es kann ja auch durchaus seine Gewohnheiten geben, die man regelmäßig macht, also die man auch gerne macht, die vielleicht nicht komplett automatisch ablaufen, aber die man dann halt einfach regelmäßig pflegt, finde ich.

Björn
Ja, ich habe ein Buch gelesen zu dem Thema, deswegen haben wir das ja heute auf unserem Zettel hier stehen. Das Buch heißt auf Deutsch das ist etwas unglücklich übersetzt die einProzent Methode. Auf Englisch heißt es Atomic Habits und der Autor heißt James Clear. Am. Ich finde das. Also das kann man jedem unserer Zuhörer ans Herz lesen, dieses Buch einmal in die Hand zu nehmen und zu lesen, weil man da eine ganz tolle und anschauliche Beschreibung erst mal kriegt, was Gewohnheiten sind und wie man Gewohnheiten aufbaut und abbauen kann.

Björn
Und eine Theorie, die der hat, die ich auch sehr schlüssig finde, ist, dass Gewohnheiten bestimmen, was für eine Identität wir haben bzw. andersherum unsere Identität bestimmt, welche Gewohnheiten wir uns aneignen. Also ganz plakatives Beispiel ist Ein Leistungssportler wird die Gewohnheiten haben, sich gesund zu ernähren und sich regelmäßig zu bewegen. Und wenn ich jetzt zum Beispiel, ich bezeichne mich jetzt mal nicht als Leistungssportler anfangen möchte. Der Sport zu machen, muss ich mehr neue Gewohnheiten zulegen und James Klirr schreibt Das wird nicht funktionieren, solange ich als in der Entität habe.

Björn
Ich bin nicht sportlich. Und er beschreibt in dem Buch, wie man sich über minimale Gewohnheiten deswegen. Daher kommt der Titel Ein Prozent oder Atomic Halbe Zeit Animate über minimale Gewohnheiten sich seine Identität so basteln kann, dass man am Ende mit den richtigen Gewohnheiten, die zur Identität passen, dabei rauskommt und erfolgreicher, glücklicher und gesünder wird. Es klingt das so, als würde ich das Buch verkaufen, stelle ich gerade fest.

Jan
Da ist die Frage, ob Link Linke irgendwo drin haben.

Björn
Kann ich gerne machen, aber na ja, was sind deine Gedanken dazu? Zu den kleinen Gewohnheiten Ich halte da ganz viel von und ich glaube auch, dass man damit enorm viel tun kann. Ich habe ja selbst auch zum Beispiel im Ausdauersport, der sage ich mal, mein absolutes Steckenpferd war aber da im Prinzip auch über kleine Gewohnheiten im Prinzip dann doch eine große Kontinuität aufgebaut und da auch wirklich Leidenschaft drin entwickelt. Und ich bin davon überzeugt, dass dieser Punkt der Identität auf jeden Fall eine enorme Auswirkungen auf unsere Gewohnheiten oder auf unser Verhalten haben kann.

Björn
In dem Zusammenhang und du hattest ja jetzt gerade gesagt, dass. Regelmäßige Gewohnheiten, die man irgendwo sich baut, dazu führen, dass man dann gesünder, erfolgreicher, sportlicher oder was war das ein zufriedener glücklicher wird. Aber genauso kann es auch in die andere Richtung gehen, wenn man im Prinzip Gewohnheiten oder eine Identität hat, sich aufbaut oder kultiviert, die solche Aspekte eben nicht berücksichtigt oder vielleicht sogar destruktiv oder so was ist. Aber es zeigt im Grunde genommen das, was wir auch von uns denken dass das einen enormen Einfluss auf das hat, was wir sind, was wir werden und was wir tun und was wir tun.

Björn
Das eine kommt ja aus dem anderen.

Björn
Genau jetzt nehmen wir mal das Beispiel, das du gerade hat. Das finde ich ganz spannend mit dem kreativen Chaos, wie du deine Unordnung auf dem Schreibtisch charmant bezeichnet hast. Wie bitte? Aber wie könnte man so was jetzt aufdröseln? Also wenn man jetzt sagen würde, du hast vielleicht öfter mal kreatives Chaos auf deinem Schreibtisch und das magst du eigentlich nicht. Wie könnte man jetzt sagen, was muss man für eine Identität haben und mit was für minimalen Gewohnheiten würde man da hinkommen?

Jan
Ja, also ich kann da jetzt drauf versuchen zu antworten. Die Meinung aus dem Buch wieder. Wir diskutieren darüber, aber grundsätzlich ist natürlich bei den ganzen Dingen so. Nur das, was dazu führt, ist ja quasi immer die Summe der kleinen Tätigkeiten und auch der Tätigkeiten, die man nicht tut in dem Zusammenhang. Das heißt auch, nehmen wir jetzt mal das Bild von einem Schreibtisch. Wir haben einen sauberen, gepflegten Schreibtisch und der Müll sicher nicht von alleine zu.

Jan
Hmm, der Müll sich auch nicht von heute auf morgen in der Regel zu, sondern der, der wird dadurch so kreativ chaotisch, dass man, wenn man arbeitet und es am Ende des Tages nicht wegräumt, sich dann über die Zeit immer mehr ansammelt. Und das ist so eine Gewohnheit wäre dann im Grunde genommen ja, das nicht wegzuräumen.

Björn
Das wäre die negative Gewohnheit, wäre erst mal die Gewohnheit, ob jetzt positiv oder negativ, aber die dazu führt, dass es halt so kommt, wie es kommt. So, und die Frage ist halt lebt man damit, dass man sagt Ich, ich bin halt eher so ein kreativer Typ oder wie auch immer und deshalb ist das so? Oder baut man sich das um und sagt Nein, ich lege Wert darauf, dass ich einen gepflegten Arbeitsplatz habe. Ich bin bin, bin ein Fan von von Line Desk oder wie auch immer und mache es jeden Tag.

Björn
Wenn ich den Laptop zuklappt, dann räum ich noch den Schreibtisch auf und dann gehe ich weiter. Dann kommt es vielleicht gar nicht erst zu dieser Situation vom kreativen Chaos.

Björn
Ja, James Clever jetzt ganz, ganz, ganz weit gehen und sagen Die Gewohnheit ist nicht, dass du es am Ende des Tages nicht aufräumen, sondern dass du es währenddessen nicht aufräumen. Also das ist schon quasi eine zu große Gewohnheit, um sie sich anzueignen, wenn man sagen würde Jetzt, meine Gewohnheit, die ich mir wünsche, ist, dass ich abends am Ende des Tages den Schreibtisch aufräumen. Das ist schon zu aufwendig. Das heißt, er würde im viel Kleineren ansetzen und gucken Wie verhindert man überhaupt, dass etwas auf dem Schreibtisch landet?

Björn
Was müsste man sich für Gewohnheiten aneignen, damit sich das gar nicht ansammelt? Und als ich das Buch gelesen habe, habe ich eine eine spannende Analogie zu meinen Koch Gewohnheiten im Vergleich zu anderen Menschen gefunden. Wenn ja, also wenn ich koche. Ich weiß nicht warum, aber wenn ich koche, habe ich die Tendenz und da werde ich manchmal belächelt. Die Küche permanent währenddessen zu putzen, also ich koche und ich mache das, was ich gerade benutzt habe, sofort sauber.

Björn
Und wenn ich dann fertig bin, ist alles schon weggeräumt und ich muss nicht ein Chaos beseitigen. Wenn man dann schön zusammen gegessen hat, ist die Küche noch in Schutt und Asche. Das gibt es bei mir nicht. Das ist eine, warum auch immer ich mir das Angewohnheit angewöhnt habe, das kann ich gar nicht mehr sagen. Aber das ist genau das Ich. Ich habe so die Tendenz beispielsweise Ich schneide eine Zwiebel klein und das Messer, das ich dafür benutzt habe.

Björn
Es landet sofort wieder im Messer Block und das Brett wird sofort in die Spülmaschine gestellt. Und so sammelt es sich gar nicht erst an. Und das macht mich ja jetzt nicht zu einem besseren Menschen oder ordentlichen Menschen. Es ist einfach eine andere Gewohnheit. In anderen Bereichen habe ich das dann, nachdem ich das Buch gelesen habe, übertragen, weil ich neige zum Beispiel auch dazu, so ein Zettel oder Dokumenten Berg auf meinem Schreibtisch anzuhäufen. Ich bekomme Post, ich scanne die auch immer sofort ein.

Björn
Allerdings kann der riskante Brief trotzdem hier auf so einem Stapel und den bearbeite ich dann relativ unregelmäßig und entscheide dann Wird das geschreddert oder wird das irgendwo hin geheftet, weil ich das Original vielleicht noch brauche? Habe ich mir jetzt abgewöhnt. Also ich hab mir jetzt abgewöhnt, das so zu tun, sondern die kleine Gewohnheit ist sofort nach dem Scannen dieser Entscheidung so zu fällen und so den Zettel Berg schon mal deutlich zu reduzieren. Weil da sind jetzt nur noch die Sachen, die wirklich irgendwann in einen Ordner kommen.

Björn
Nächste Schritt wäre, an kleinen Gewohnheiten sofort abzuhelfen. Aber das ist noch zu früh, das ist noch zu früh.

Björn
Die eine Gewohnheit muss erst mal so richtig etabliert sein. An eine positive Gewohnheit. Kommen wir zum nächsten Ding, das in dem Buch behandelt wird. An eine positive Gewohnheit muss eine positive Belohnung gekoppelt sein. Jetzt guckst du mich an, schau dich an. Jetzt frage ich mich, wie du dich belohnt. Nachdem du jetzt entschieden hast, was tue ich damit?

Björn
Also die Belohnung, wenn ich den Bleiben wir bei dem Beispiel, wenn ich bei dem den gescannten Zettel in der Hand habe und der sofort in den Schredder wandert, freue ich mich darüber, dass mein Zettel Berg nicht wächst. Das ist meine Belohnung für Belohnung.

Jan
Ich wollte sagen, das finde ich eigentlich auch schon hinreichend.

Björn
Ja, also das klingt alles so banal, aber ich finde, das sind sehr mächtige Dinge, weil man so zum Beispiel, wenn man als Identität über sich sagt Ich bin unordentlich, obwohl man es eigentlich nicht ist, weil man einen Bereich in seinem Leben hat, wo es sich so anhäuft. Über eine kleine Gewohnheit dazu kommt, sich zu einem ordentlichen Menschen zu machen. Das heißt, die Gewohnheit formt meine Identität. Und dadurch, dass ich mir sagen kann, ich bin ein ordentlicher Mensch, habe ich es einfacher, diese Gewohnheiten aufzubauen.

Björn
Hm. Frag mich nicht. Du guckst mich so wissend an, ich frage mich, was du denkst.

Jan
Es ist auf jeden Fall schlüssig, keine Frage. Aber ich denke, dass irgendwo ich bin ein großer Freund von Pareto Prinzip und das heißt auch immer zu schauen wo ist es jetzt, wie effizient? Und ich bin sofort bei dir, dass gerade dieses Thema Küche und so natürlich jetzt in dem Moment, wo man es sofort macht, dann ist es erledigt und dann steht es später auch nicht mehr rum und begrüßt quasi wieder als großes Monster, dass das weiterhilft. Und teilweise gibt es sicherlich auch Aspekte im Leben, wo man schauen muss, an welcher Stelle ist es jetzt gerade alles wie möglich, oder es kann ja auch durchaus sinnvoll sein, so wie du jetzt das hast, was du jetzt entscheidest.

Jan
Ja, nein. Aber dass man vielleicht noch nicht immer sofort weg heftet, denn es könnte unter Umständen effizienter sein, wenn man drei Fächer hat auf dem Schreibtisch, wo man sagt Wegwerfen von A, B, C, dass man dann erst mal die da rein tut und dann einmal quasi die Mieter in den Westflügel läuft, um den Ordner zu holen und dann die Dinger dann abzuwerfen, statt dass man dann zehn Mal in Westflügel läuft. Und das sind natürlich so Punkte, wo man drüber schauen muss, ob bei den Gewohnheiten, dass man da auch sich nicht über bürokratisiert in Anführungsstrichen oder sich nur noch quasi in den Sequenzen befindet.

Jan
Sozusagen.

Björn
Ja, genau. Ja, genau das. Darauf soll es ja auch nicht hinauslaufen. Es soll ja auch nicht darauf hinauslaufen, dass man hinterher permanent durch die Gegend läuft. Und so, jetzt mache ich das. Und jetzt habe ich ja die Gewohnheit, das zu tun, also mache ich jetzt das. Deswegen ist glaube ich, der automatische Ablauf dann am Ende sehr, sehr wichtig und man ist dann ja auch nicht trotzdem nicht ein unfreier Mensch, nur weil man bestimmte Gewohnheiten sich einfach antrainiert hat, die einem das Leben im Endeffekt ja erleichtern und einem Zeit und vor allem auch Nerven sparen.

Björn
Also Beispiel Küche wieder man kocht schön, man sitzt hinterher vielleicht auch noch mit Besuch zusammen und am Ende ist der Tag oder der Abend versaut, weil man noch anderthalb Stunden die Küche putzen muss. Das heißt, da habe ich ja über meinen kleinen Automatismus dann auch was geschafft, der mir am Ende den Tag besser gestaltet. Was mir jetzt bei der Gelegenheit einfällt, ist das Prinzip des Crackers. Es gibt ja, da gibt es ja auch Apps für. Man kann das auch schriftlich machen.

Björn
Da halte ich nicht so viel von. Also dieses Abhaken, das habe ich jetzt erledigt. Also belohne ich mich mit einem Haken. Wie siehst du das?

Jan
Ja, also ich bin ein großer Freund von Checklisten aus, aber auch da ist die Summe machts. Also ich habe, wenn wir nicht quasi den ganzen Tag nur noch damit beschäftigt bin, irgendwelche Habits abzuhaken in einer App, dann bin ich natürlich auch irgendwo Sklave dieser App. So, und die Frage ist halt, an welcher Stelle ist es sinnvoll? Ich bin ein großer Freund davon, Instrumente Tools da einzusetzen, wo sie den größten Effekt haben. Wenn ich jetzt einen großen Spaß daran habe, wirklich sichtbar abzuhaken, dass ich jetzt eine Sport absolviert habe oder so was, dann soll man das gerne tun.

Jan
Oder zum Beispiel Ich mag auch gerne eine To do Liste an der Wand haben, wo ich dann was durchstreichen kann, wenn es geschafft ist. Das finde ich nett, aber ich glaube jetzt in jeder einzelnen Geschichte ist halt auch die Frage Ist das notwendig? Die Frage ist ja auch In welchen Phasen ist das vielleicht notwendig? Denn in dem Moment, wo man vielleicht etwas etabliert und sich das überhaupt immer wieder vor Augen halten oder vor Augen führen muss, dass man das gerne machen möchte, kann das ein durchaus sinnvolles Tool sein.

Jan
Aber wahrscheinlich wird jetzt keiner hingehen und sagen, dass er morgens abhakt, dass er aus dem Bett aufgestanden ist oder dass ich kenne das ja gut, das ist jetzt die Frage. Einzelfälle ja, aber ich sage jetzt mal Aufstehen im Allgemeinen oder Zähneputzen. Wenn die Sachen, die ich jetzt im Einzelfall immer das kann passieren, aber sonst würde ich sagen, das jetzt so absolute Gewohnheiten, die ich sowieso komplett drin habe, die muss ich ich persönlich zumindest nicht tragen.

Björn
Nein, warum? Ich habe Tracker kritisch sehe, hat damit zu tun, dass ich glaube, wenn man sich eine neue Gewohnheit aneignen will und sich über diese. Thematik, über die wir gerade gesprochen haben, sich Gedanken gemacht hat Warum will ich das eigentlich? Welche Identität passt da eigentlich zu? Was will ich denn eigentlich damit bewirken, was meine Identität angeht, sondern nur sagt Ich möchte jetzt Gewohnheit XY an mir aneignen? Schreibe ich in den Heavy Tracker und hake das ab?

Björn
Wenn ich mir den ganzen, die ganzen Gedanken vorher nicht gemacht habe, mache ich das am Ende nur, um diesen Haken zu setzen. Und das habe ich auch schon erlebt. Nicht bei mir, sondern das habe ich beobachtet, dass Menschen anfangen, dann Dinge nur zu tun, um sich diesen Haken im Hewitt Tracker zu machen. Dann habe ich aber nicht sehr viel Nachhaltigkeit darin, weil irgendwann gibt es vielleicht die App nicht mehr oder ich habe dann auch keine Lust mehr, diesen Haken zu machen, dann ist mir das.

Björn
Vielleicht sehe ich den Sinn in diesem Haken nicht mehr. Das würde mich auch nicht überraschen. Es ist eigentlich sinnfrei, diesen Haken zu setzen und dann habe ich die diese Gewohnheit ja auch nicht richtig verankert in meiner Persönlichkeit.

Jan
Ja, ist natürlich sehr individuell, jeder Mensch kann da auch oder kommt mit unterschiedlichen Tools sinnvoll zurecht oder kann die für sich instrumentalisieren. Ich glaube, das ist halt auch ganz wichtig herauszufinden, was für einen selbst gut funktioniert in diesem Zusammenhang.

Björn
Es gibt gibt ja so so Habit Tracker, die auch mit Aufgaben mit der Task Managern gepaart sind, wo man dann Punkte kriegt. Und ich kenne wirklich Menschen, die dann da wirklich alles drinstehen haben. Wirklich was du eben so als Witz eigentlich gemeint, dass aufstehen. Da stand dann wirklich drin aufstehen, Zähne putzen, Schuhe zumachen, nur um möglichst viele Punkte zu kriegen. Dann waren sie hinterher stolz, dass sie da das Punktekonto voll hatten. Aber ob das wirklich zu mehr Zufriedenheit führt über positive Gewohnheiten?

Björn
Also ich bin da skeptisch.

Jan
Das ist ja ein ganz interessantes Feld. Das grenzte an das ganze Thema Gamification, wo es ja mittlerweile auch die Studiengänge drüber gibt. Und wie man im Grunde genommen auch Menschen dazu bringen kann, über verspielte Einheiten oder verspielte Funktionalitäten sich zu belohnen oder sich. Und. Ich sehe das ja auch ein bisschen zwiegespalten, ist vielleicht das falsche Wort einen Zusammenhang. Aber ich kann mir das als positiv vorstellen. Aber auch wie gesagt, wenn es dann nur noch darum geht, ist es vielleicht ein anderes Thema.

Jan
Ein Beispiel dafür sind zum Beispiel auch Meditations Apps. Animate Space für zum Beispiel arbeitet ja auch damit, dass du am Ende des Tages immer angezeigt bekommst nach einer Meditation. Wie viele Minuten hast du denn schon meditiert? Toll, du hast noch mal 10 Minuten dazu meditiert und außerdem hast du so und so viele Tage in Folge meditiert, sodass du eigentlich, wenn du am Ball bleiben wird, quasi wenn die Kosten aufzuhören immer größer, weil du hast dann ja jetzt schon 100 Tage am Stück meditiert.

Jan
Und das jetzt aufzugeben wäre ja auch schade. Und das ist natürlich ein Aspekt, von dem ich, den ich halt insofern schwierig finde, als dass er. Zu. Abhängigkeit Gefühl ist eigentlich das richtige Wort, aber man macht dann etwas, um etwas zu tun, um etwas aufrechtzuerhalten, um diesen Score aufrechtzuerhalten. Diese Punkte für die zu bekommen oder halt irgendwie nicht morgen in der App stehen zu haben, dass ich jetzt nur noch einen Tag in Folge meditiert habe.

Jan
Und dann wird es verkehrt sich ins Negative, wenn daraus ein Zwang wird. Letzten Endes, und das sollte ja schon eine intrinsische Motivation sein, die vielleicht von außen irgendwo positiv belohnt wird, die ich für mich ja auch positiv aufbauen kann. Aber wo ich nicht das Gefühl haben sollte, dass es jetzt nur ein Zwang von außen. Aber da funktioniert auch, glaube ich, jeder Mensch unterschiedlich. Aber ich kenne das zum Beispiel nur, um das noch mal zu sagen.

Jan
Ich kenne zum Beispiel vom Laufen. Ich strecke meine Strecken und die, die ich laufe. Und dann hast du natürlich auch am Monatsende Auswertungen, wie viele Kilometer du jetzt gelaufen bist usw. Und dann hast du irgendwo auch dann Interesse, sich da vielleicht auch immer weiter zu steigern und so weiter und so fort. Und auch da muss man irgendwann mal für sich sagen So mache ich das jetzt überhaupt deshalb, weil ich gerade doch Spaß daran habe. Oder geht es jetzt hier irgendwie darum, um mir meinen eigenen Highscore zu übertreffen?

Jan
Und das ist eigentlich ein ganz relevanter Punkt, finde ich, wenn das wenn das Tool, mit dem du deinen Fortschritt siehst, aber wenn dir dann irgendwann mal bewusst wird, okay, eventuell jetzt in diesem Beispiel im wahrsten Sinne des Wortes, verrennt ich mich in etwas. Vielleicht übertreibe ich es da jetzt gerade. Und ich glaube, da muss man aufpassen.

Björn
Ein Gedanke, der mir dabei gerade kam, ist Vielleicht ist es gut, solche Tools dann einzusetzen, wenn etwas ganz neu ist. Also wenn ich, wenn ich zum Beispiel etwas Neues mir angewöhnen will, was eigentlich so noch gar nicht in meinem Alltag Platz hatte. Nehmen wir mal das Beispiel Meditieren, dass ich da einen kleinen Reminder kriege. Aber es ist ja nur ein Reminder. Dazu braucht man nicht mal eine spezielle App. Da reicht ja schon eine Erinnerungs Funktion oder ein Wecker, der auf dem Smartphone eingestellt ist, der einen daran erinnert.

Björn
Denk dran, du wolltest das noch nicht automatisch in den Gedanken verankert ist. Und das da kann es sinnvoll sein. Nur so als kleiner will wie ein Knoten im Taschentuch früher, um sich daran zu erinnern, da war was. Das wollte ich tun. Aber was du beschreibst ist natürlich ist natürlich sehr wahr. Wenn ich gerade im Bereich von Meditation, was ja eine sehr positive Gewohnheit ist, dann am Ende die die Belohnung darin sehe, dass mir die App sag jetzt hast du schon 10 Minuten mehr meditiert als der Durchschnittsmensch oder irgendwie ähnliche Statistiken, dann hat das ja nichts mehr damit zu tun, warum ich eigentlich meditiere.

Björn
Das ist dann ja eine eine völlige Perversion des Meditieren usw. Da geht es ja um das Gegenteil. Es geht ja da nicht um Leistung, sondern einfach darum, dass man es tut und nicht wie oft und wie lang genau.

Jan
Ich habe das selbst auch schon getan, weil mich nervt das so was auch an, dass ich mir da im Prinzip einfach einfach ein Reminder gestellt habe, selbst im Handy. Denn aufpoppt nach dem Motto Meditation oder was ich auch mal gemacht habe, ist ein Rückblick auf den Tag zu machen. Das heißt also zu schauen, wie es der Tag gelaufen. Bin ich zufrieden? Bin ich unzufrieden? Woran lags? Und da habe ich tatsächlich ein Reminder. Da klingelte jeden Tag auf dem Handy, es klingelt, poppt auf und ich sehe das dann.

Jan
Und dann stelle ich mir die Frage Okay, wie war dein Tag? Bist du zufrieden? Bist du unzufrieden? Was kannst du verbessern? Und das ist für mich eigentlich immer ein schönes Innehalten, um hier quasi einmal am Tag diese diese Routine zu haben. Mal kurz den Standort Check zu machen, bin ich zufrieden, bin nicht zufrieden. Was könnte ich verbessern und habe das quasi als als kleinen kleinen Reminder da und daraus dann im Prinzip eine Gewohnheit entwickelt.

Björn
Hm, was ist denn? Was ist denn für dich eine Gewohnheit, die du dir angewöhnen willst?

Jan
Die ich mir angewöhnen möchte Ich möchte eigentlich noch weiter kultivieren. Noch bewusster zu sein und da arbeite ich auch dran, da bin ich auch ganz zufrieden mit meinem Fortschritt und das quasi diese, also dass dieser diese Achtsamkeit Effekt, dass das quasi nicht etwas ist, was man sich an unterschiedlichen Dingen immer wieder einstreut, sondern dass das eigentlich eher eine Art Status in Anführungsstrichen wird bzw. ein Zustand, in dem man halt eher unterwegs ist. Und das kultiviere ich schon relativ kontinuierlich und versuche das auch weiter zu pflegen.

Jan
Das ist auch etwas aus meiner Sicht, wo man dranbleiben muss, weil es viele, weil es viele externe Faktoren gibt, die einen auch davon abhalten können. Wie ist es bei dir?

Björn
Bei mir ist es ein bisschen ähnlich eigentlich. Also für mich ist gerade ein großes Thema, immer wieder innezuhalten und nicht so sehr, um nicht so sehr auf Gleisen zu fahren. So würde ich das formulieren. Also auch wenn ich, wenn ich jetzt ich würde mich jetzt als sehr zielorientiert bezeichnen, aber halt. Ähm, ich glaube, es ist für mich wichtig und das ist eine Gewohnheit, in der ich arbeite. Immer wieder. Ich habe tatsächlich auch Sachen Reminder, der mich da im Laufe des Tages immer wieder daran erinnert, tatsächlich nur fünf Minuten einfach mal zu atmen und zu denken und nicht einfach weiterzumachen und zu machen und zu machen, sondern einfach ganz kurz innezuhalten und zu sagen Ist das gerade noch richtig, was du tust?

Björn
Ist das Pacing richtig? Ist gerade was anderes wichtiger, weil ich sonst manchmal dazu tendiere, mich vielleicht in etwas zu verrennen. Aber das ist eine Gewohnheit, an der ich arbeite, ja.

Jan
Ja, ja, so gibt es auf jeden Fall viele verschiedene Gewohnheiten, an denen man tagtäglich arbeiten kann oder die man entwickeln kann. Identitäten, an denen man arbeiten kann.

Björn
Hast du noch weitere Gedanken?

Jan
Ich habe gerade tatsächlich schon reichlich Input von dir bekommen, schon ganz ganz gespannt auf das Buch, das werd ich mir auch noch mal zu Gemüte führen und freue mich dann, wenn wir da noch mal in Ruhe drüber diskutieren können.

Björn
Ja gerne. Dann war es das glaube ich zu dem Thema Gewohnheiten.

Jan
Ich möchte noch einen kleinen kleinen Zusammenfassung geben am Ende, was dir wichtig war für das heutige Thema oder ist.

Björn
Ich finde die Verknüpfung, wie am Anfang schon gesagt von Gewohnheiten mit Identität. Wer bin ich, was ich, wer ich bin, bestimmt das, was ich tue. Sehr sehr wichtig. Und dass man sich Gewohnheiten sehr bewusst aneignet, also dass man die mit seiner Person und seiner Persönlichkeit verknüpft und nicht nur stupide im Habit Tracker apart, weil dann ist es eigentlich in den meisten Fällen schon zum Scheitern verurteilt. Okay, etwas Schönes habe ich das gut zusammengefasst?

Jan
Ja, doch, auf jeden Fall. Also Gewohnheiten, positive Gewohnheiten, aktiv und mit eigener Motivation kultivieren und leben. Höre ich da so auch mit raus? Sehr schön. Okay, dann freue ich mich, dass wir heute darüber sprechen konnten. Und falls ihr Lust habt, auch noch mal mit uns über das Thema Gewohnheiten oder über andere Themen zu sprechen, dann findet ihr uns unter bjoernbobach.de und jangustavfranke.de und findet unsere E-Mail-Adressen auch noch im Podcast selbst in der Beschreibung oder auf den Homepages.

Jan
Und wir freuen uns auf jeden Fall nächste Woche dann euch wieder ein neues Thema präsentieren zu können. Und bleibt uns bis dahin gewogen. Alles Gute und Björn möchte sich verabschieden.

Björn
Ja, ich sage es heute. Auf Wiederhören. Ciao.

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