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Coach&Coach: Aufschieberitis – wie man Prokrastination beheben kann

16. September 2022

Aufschieberitis – auch als Prokrastination bekannt – gibt es in unterschiedlichsten Ausprägungen. Bekannt sind kleine Auswüchse, wie das immer wieder vor sich herschieben den Müll rauszubringen. Aufschieberitis kann aber zu massiven Problemen führen, wenn wirklich wichtige Dinge immer wieder verschoben werden. Die Ursachen sind hier jedoch viel tiefer verankert als man meint, ein simples “mach doch mal” hilft auch nicht. Auch die oft angeführte Faulheit ist hier meistens nicht der Auslöser.
In dieser neuen Folge von Coach&Coach gehen Jan Gustav Franke und ich dem chronischen Aufschieben auf den Grund, und geben auch ein paar Tipps zur Selbsthilfe – auch wenn Coaching hier oft eine gute Idee ist.

Listen on Apple Podcasts

Hier die Transkription des Podcast:

Jan
Herzlich willkommen zu einer neuen Folge von Coach und Coach mit Björn Bobach. Hallo Björn…

Björn
Hallo Jan!

Jan
…und mir Jan Franke! Ich freue mich, heute zu sprechen über ein Thema, das man auch umreißen könnte mit einem Motto oder einem Sinnspruch. Was du heute kannst besorgen, das verschiebe nicht auf morgen. Oder etwa doch? Wir sprechen nämlich heute über Prokrastination, auch bekannt als Aufschieberitis. Etwas, das wahrscheinlich den meisten Personen da draußen sehr geläufig sein dürfte. Björn Aufschieberitis. Kennst du das bestimmt nicht, oder?

Björn
Nein, nein, ich schiebe nie etwas. Quatsch. Natürlich kenne ich das. Das kenne ich sowohl von mir selber als auch von ganz vielen Leuten um mich herum. Im Großen und im Kleinen. Von Klienten kenne ich das. Das ist, glaube ich, wenn man es jetzt als Krankheit begreift. Wir haben ja im Vorgespräch eben schon eine ganz spannende Entdeckung gemacht, die wir, glaube ich, gleich mal teilen müssen, die ich wirklich faszinierend finde. Aber wenn man das jetzt irgendwie als etwas Krankhaftes begreifen würde, dann ist es eine Volkskrankheit, würde ich sagen.

Jan
Ja, also ich glaube, es hat sich verändert. Also wenn man tatsächlich Prokrastination auch definiert als tatsächlich pathologische Störung des extremen Aufschieben, dann ist das natürlich schon ziemlich starke Form. Aber es hat halt eben über die letzten Jahre auch einfach den Weg gehen Volksmund gefunden. Und so sagt man jetzt eigentlich immer, wenn man gerade keine Lust hat, irgendwas zu tun. Nicht prokrastinieren. Ob das tatsächlich Prokrastination ist? Im eigentlichen Sinne, ursprünglich beim klinischen Sinne, ist vielleicht noch mal auf einem anderen Blatt Papier. Aber grundsätzlich geht es ja darum, dass man Dinge aufschiebt und das eigentlich eher regelmäßig als eine Ausnahme.

Björn
Und mit komischen Begründungen. Das ist, glaube ich, auch Begründung. Ich glaube, das ist, das ist auch eine ganz entscheidende Geschichte, dass man Dinge aufschiebt, wo es eigentlich überhaupt keinen tatsächlichen rationalen Grund gibt und man sich aber Gründe sucht, warum man es immer wieder vor sich herschiebt. Aber was ich gerne einmal teilen möchte, ist die Definition, die du eben raus oder gefunden hast und wo wir beide auch überrascht waren. Tatsächlich ist, dass es eine eine Prokrastination Ambulanz in Münster gibt.

Jan
Zumindest habe ich das beim Googlen gefunden.

Björn
Also das heißt, das eine, ich nehme an irgendeiner psychologischen Institution. Da gibt es also eine Ambulanz, wo Menschen hingehen können, die ein pathologisches Aufschiebung verhalten haben. Aber vielleicht fangen wir einmal damit an, was eigentlich Aufschieben Essverhalten grundsätzlich ist. Also wenn ich jetzt zum Beispiel sage, ich muss eigentlich einkaufen gehen, also mein Kühlschrank ist leer, ich schaff das heut aber nicht, mach ich morgen. Ist das schon Prokrastination?

Jan
Tja, also ich glaube nicht, dass es grundsätzlich so ist, dass jedes Aufschieben oder ein Priorisieren, so könnte man das ja auch nennen tatsächlich auf eine Aufschieberitis in der Prokrastination ist. Also es gibt ja genug Gründe, warum man etwas priorisiert. Also wir haben einen Plan, aber die Rahmenbedingungen ändern sich aus welchen Gründen auch immer. Und dann ist es ja eigentlich sogar eine positive Eigenschaft, wenn man um priorisiert und den Plan umwirft und nicht da ganz starr daran festhält. Egal was passiert, wenn man sagt Das muss jetzt so sein. Das wäre ja irgendwo ein Stück weit auffällig, unter Umständen. Und insofern würde ich sagen Nein, nur weil man etwas aufschiebt und nur mal so ist. Das glaube ich keine Prokrastination in diesem Sinne.

Björn
Aber wie können denn unsere Zuhörer dann erkennen, ob sie ein, ob sie prokrastinieren oder nicht?

Jan
Da gibt es sicherlich Indikatoren, die darauf hinweisen. Und das ist, wenn es grundsätzlich schwerfällt, überhaupt etwas zu Ende zu bringen. Also das eine ist quasi das vor sich Herschieben, das man nicht anfängt. Das ist quasi die, die. Der eine Punkt, aber der andere Punkt, der auch auffällig sein kann in dem Zusammenhang ist, wenn man auch ja Probleme damit hat, etwas abzuschließen, tatsächlich zum Ende zu bringen. Das sind, das kann sich in unterschiedlichen Dingen zeigen. Das kann sich auch in einer Form von Prüfungsangst zum Beispiel zeigen, dass man sich gar nicht erst traut, zur Prüfung zu gehen, obwohl man sich unter Umständen vorbereitet hat. Das kann sein, dass man Sorge hat, eine Hausarbeit abzugeben fürs Studium oder für die für die Schule, weil man denkt, es ist einfach noch nicht perfekt, es ist nicht richtig. Und das kann auch in anderen Dingen so sein, dass man halt eben einfach denkt, man findet nicht das richtige Geschenk, man kann sich nicht entscheiden. Man weiß nicht, was jetzt hier wirklich das Optimale ist.

Jan
Und da habe ich gerade schon einen Begriff genannt und das ist, das ist nicht perfekt.

Björn
Du hast mich lachen sehen, auch als du das Optimale gesagt hast. Wir sehen uns ja, während wir das aufzeichnen. Ja, ja, genau. Das ist, glaube ich, ein ganz entscheidender, entscheidender Punkt. Also das, was ich eben gesagt habe als Beispiel Ich gehe heute nicht einkaufen, ich schaffe das nicht. Mache ich morgen. Ist ja ein ganz normaler alltägliche Situation, die tatsächlich auch gesund ist, so auch zu entscheiden. Also wenn ich jetzt noch in den vollen Supermarkt gehe, abends um sechs, das tut mir überhaupt nicht gut, das mache ich lieber entspannt. Morgen ist eine gesunde Entscheidung. Und ich glaube, da wird, würde man nicht von Prokrastination sprechen. Ich glaube tatsächlich, genau wie du es beschrieben hast, dass eine ein ganz entscheidender Faktor ist, dass diese Aufschiebung über einen längeren Zeitraum immer wieder stattfindet und genau durch diese beiden Charakteristika gekennzeichnet ist. Nämlich Dinge nicht anfangen oder Dinge nicht beenden. Prüfungsangst hast du schon aufgeführt. Und Dinge nicht anfangen, aus denen den verrücktesten Gründen, sage ich mal, die man da sucht.

Björn
Also habe ich auch schon mal erlebt, dass ich was starten wollte und dann gemerkt habe Das ist absurd. Ich suche ja gerade nur nach Gründen, warum ich es nicht starte, anstatt es einfach zu machen. Warum eigentlich? Und diese Frage Warum eigentlich? Da, die ist ganz entscheidend. Weil eigentlich ist ja eine Prokrastination ein Vermeidungsverhalten. Also ich vermeide ja, etwas zu beginnen. Oder ich vermeide mich einer Prüfung zu stellen, etwas abzuschließen. Und warum tue ich das? Und ich glaube, da ist diese Geschichte mit dem Perfektionismus, mit dem Optimalen ein ganz guter Indikator, weil sehr häufig begegnet uns das ja, wenn es da eine. Einen Anspruch an sich selbst gibt oder ein ich sag mal ein Vorbild gibt, so ganz vorsichtig formuliert, das vielleicht unerreichbar ist, dass das, wenn man es mit mit normalen Mitteln erreichen würde, eigentlich fast schon unmöglich ist. Also eine idealisierte, ein idealisierter Zustand, den man gar nicht erreichen kann. Und das hält einen natürlich ab, weil man scheitert ja sowieso. Das denkt man in dem Moment nur leider nicht, weil man vermeidet, man sucht nach anderen Gründen, warum man es nicht startet.

Jan
Ja. Und das ist auch der Punkt, dass. Es hat, dann genau zum Thema wird, wenn man dann die Sorge, wenn die Sorge so groß ist, dass man diesem Anspruch nicht genügt. Das kann ja ein eigener Anspruch an sich selbst sein. Das kann irgendein Vorbild genannt aus der Familie oder Freundeskreis oder wie auch immer man sagt, das muss eigentlich mindestens so sein, das kann auch im Kollegenkreis sein, unter Umständen. Das kann aber auch natürlich eine Erwartungshaltung sein, die vielleicht sogar formuliert wird oder die man denkt, dass andere die von einem haben, also eine solche Erwartungshaltung, der man unbedingt gerecht werden möchte, dass man ein perfektes Bild oder so etwas abgibt. Und das führt dann natürlich auch zu mentalem Stress, der sich auch körperlich auswirkt, denn man hat dann Sorge, das abzugeben. Oder man hat Sorge, etwas zu Ende zu bringen oder auch anzufangen und schiebt das dann immer weiter vor sich her. Und oh Wunder, was passiert da? Letzten Endes ist es dann so, dass natürlich die Zeit zur Bearbeitung immer weniger wird.

Jan
Und letzten Endes dann natürlich der große Stress los geht, um es dann halt doch noch irgendwie hinzubekommen. Weil teilweise kann man sich ja den Dingen auch nicht entziehen und dann hat man unter Umständen sich ganz geschickt auch selbst eine Ausrede geschaffen, wenn es nicht so toll wird, denn in der Kürze der Zeit war es ja gar nicht möglich. Und so bringt man sich dann da quasi selbst in dieses Spiel hinein. Es gibt ganz viele Menschen, die auch sagen Ich brauche den Druck. Ja, damit sie etwas hin bekommen. Und das kann auch etwas am Rande damit zu tun haben, dass man sagt Also erst dann sehe ich sozusagen, dann irgendwann habe ich diese aktive Energie, dass ich es halt doch noch irgendwie machen muss, auch wenn man es vorher schon unter Umständen entspannter hätte tun können. Also es sind eigentlich zwei Aspekte in dem Zusammenhang oder verschiedene Aspekte. Das eine ist die Vermeidung von unangenehmen Situationen, von Tätigkeiten, dass man damit auch aufschiebt. Und das kann natürlich dann eben in diesem Zusammenhang eine solche Prokrastination und auch so eine Angst vor der Abgabe dann noch verstärken.

Jan
Und das kann auch ein zusätzlicher Effekt sein in diesem Zusammenhang. Ganz interessant ist, dass ja gerade schon gesagt, man kann dann auch mit Zeitmanagement oder so etwas arbeiten. Die Frage ist halt nur in dem Zusammenhang, ob das tatsächlich die Lösung ist in diesem Komplex.

Björn
Ja, da habe ich eine klare Meinung zu, die du kennst. Was man ganz häufig online findet, wenn man danach sucht. Da sind dann diese Selbstmanagement Gurus. Sagen wir es mal so wie es ist. Also es gibt ja genug, die dann sagen, wenn du immer wieder aufschiebt, dann mach es so wie ich, dir fehlt nur das Ziel. Du musst das mit meinem Wochenplan machen oder mit meinem täglichen, mit meinem täglichen Ablauf. Also die quasi versuchen dann den eigenen Daily Workflow quasi auf einen anderen zu übertragen. Und das ist gefährlich, weil das natürlich für jemanden, der unter Aufschieberitis leidet, in Anführungsstrichen, also jemand, der eigentlich etwas immer wieder vor sich her schiebt, aus dem Grund, dass er etwas nicht gerecht wird. Also aus dieser Angst zu scheitern oder es nicht so perfekt hinzukriegen, wie er glaubt, ist natürlich unglaublich empfänglich für so einen, so einen Selbstdarsteller, der sagt Ich schaff das alles und du musst es nur machen wie ich. Da klammert man sich dann ja dran. Und das Fatale ist, dass es nur ein bisschen Puderzucker ist, ein bisschen Symptombekämpfung ist, aber nicht an die Ursache geht.

Björn
Da traut sich natürlich keiner von diesen Gurus ran, weil das ist ja kompliziert und das kann man nicht auf die Masse verteilen. Das ist ein sehr individuelles Thema, wo warum es so ist, dass man unbedingt Perfektion erreichen muss, warum es so ist, dass man Angst hat zu scheitern. Also dieses diese Selbstmanagement Geschichten und dieses, ja, ich nenne das auch manchmal Colitis, also Colitis, Aufschieberitis, das ist ist wirklich gefährlich. Das ist, das ist dann das Nächste, dass jemand Angst hat, etwas nicht hinzukriegen oder vielleicht mal nicht hingekriegt hat. Und dann versucht ein Selbstmanagement Tool nach dem anderen auch ein digitales Tool. Ich meine jetzt Task Listen Manager, irgendwelche Prozessoptimierung, ob es Kanban ist oder Scrum oder was auch ich, was weiß ich für Prinzipien. Alles für sich ausprobieren, weil sie meinen, das ist jetzt das Heil, das ist jetzt das, was mich da hinbringt, nicht mehr aufzuschieben. Und dann, nach einer Woche, sind Sie ganz frustriert, weil Sie sind genau da, wo sie angefangen haben.

Jan
Wobei man natürlich sagen muss, grundsätzlich erst mal zu versuchen, etwas Struktur reinzubekommen in den Alltag, kann ja auch durchaus helfen. Also natürlich als eine solche Maßnahme, wenn man feststellt, man neigt dazu oder man bekommt seine Tätigkeit nicht hin, würde ich immer als erstes sagen Da hast du, dann hast du eine Struktur, mit der du arbeitest, richtig Möglichkeiten für dich oder hast du die Fähigkeit zu priorisieren? Gibt es da Techniken, die du dir aneignen kannst? Da gibt es ja ganz, ganz viele tolle Werkzeuge, mit denen man da arbeiten kann und die auch unheimlich viel empfundenen Stress dann wiederum wegnehmen können. Also wenn man wirklich noch mal priorisieren hat, was ist denn jetzt überhaupt für den Moment wichtig, was kann eventuell auch noch bis morgen warten? Und man darüber dann im Prinzip ein bisschen mehr sich Freiraum verschafft und eben diese Möglichkeiten nutzt. Aber wenn man an den Punkt kommt, dass alles eigentlich perfekt organisiert ist und ist dann halt immer noch so schwer fällt und das auch im Leidensdruck zu tun hat irgendwo, dass man die Dinge nicht abgeben kann oder nicht anpacken kann.

Jan
Dann ist wirklich die Stunde, an der man dann wahrscheinlich realisieren kann, sollte oder muss, dass es vielleicht nicht nur am Zeitmanagement liegt, sondern dass eben auch andere Dinge dahinter stecken können.

Björn
Ja, natürlich hilft eine Struktur und natürlich helfen Tools. Ich bin ja auch ein ganz großer Verfechter von einfach zu nutzenden digitalen Tools, die einem wirklich viel, viel Stress auch nehmen können. Da bin ich ganz bei dir. Nur ist es halt nicht das Heilmittel, wenn es um eine chronische Aufschieberitis geht. Also wenn es darum geht, dass man wirklich immer wieder merkt, dass man Dinge nicht anfängt oder nicht zu Ende bringt. Dann hilft kein Tool. Dann muss man sich wirklich die Frage stellen Warum ist das? Warum traue ich mich das nicht? Was hält mich wirklich davon ab? Und das verlangt sehr viel Selbstreflexion. Ich möchte gerne aber auf eine Sache eingehen, die mir ganz wichtig ist. Und das ist der innere Schweinehund, den wir beide ja schon mal kennengelernt haben persönlich unsere inneren Schweinehunde in unserer Ausbildung. Weil ich finde es ganz wichtig, da zu unterscheiden zwischen wirklich einer Prokrastination Prokrastination Thema oder einem vielleicht nicht ganz harmonischen Verhältnis zu dem inneren Schweinehund. Weil inneren Schweinehund hasst du doch auch, oder?

Jan
Ich? Nein.

Björn
Neeeeein!

Jan
Tagesform abhängig.

Björn
So. Und ich glaube tatsächlich, das ist etwas, was sich viele gar nicht zugestehen. Also zumindest höre ich das manchmal so, wenn ich Unterhaltungen lausche oder auch mit Klienten. Nein, ich habe keinen inneren Schweinehund. Ich bin immer produktiv. Und da werde ich stutzig, weil das kann ich mir fast nicht vorstellen. Kennst du jemanden, der wirklich keinen inneren Schweinehund hat, der mal sagt Komm heute mal die Füße hoch?

Jan
Also ich kenne durchaus Menschen, die, die sehr, sehr aktiv sind und. Da vielleicht unterschiedliche Polen, aber ich glaube, das ist halt auch individuell, was einen antreibt, was ein, was einen fasziniert, woran man Spaß hat, was man gerne machen möchte, was man vielleicht eher nicht machen möchte. Und ich glaube, das ist ja nicht individuell. Es ist ja nicht allgemein zu sagen, was Themen sind, die man aufschiebt und Themen sind, die man gerne macht. Es gibt Menschen, die lieben Steuererklärungen, die können das gar nicht abwarten, loszulegen und sich das Geld wieder zu holen vom Staat.

Björn
Oder noch mehr.

Jan
Und dann gibt es Menschen, die schieben das quasi bis zur letzten Sekunde. Und das heißt, man kann es gar nicht vereinheitlichen. Ich glaube das schon, dass das sehr, sehr, sehr unterschiedlich ist. Die Ausprägungen sind, glaube ich, sehr individuell.

Björn
Worauf ich hinauswollte, ist ja, dass man ein harmonisches Verhältnis zu seinem inneren Schweinehund braucht, weil der ist ja auch okay, der ist ja Teil von und da sind wir drehen uns ja quasi immer so ein bisschen in den gleichen Kreisen. Der ist ja auch ein Teil von unserem inneren Team. Der verlangt uns dann halt auch mal ab, dass wir mal faul sind, dass wir auch mal bewusst nichts tun, um uns zu regenerieren. Wie nach einem guten Sport Training, um neue mentale Kraft auch zu schöpfen. Und das ist total in Ordnung und das muss man unterscheiden können von einem pathologischen oder auffälligen Aufschieben Verhalten. Auch da wieder ganz viel Selbstreflexion gefragt und sich das auch zugestehen. Und wenn man sich das nicht zugestehen kann mit dem inneren Schweinehund und gleichzeitig prokrastinieren, dann hat man den echten kleinen inneren Krieg, würde ich sagen.

Jan
Wir hatten. Wir hatten zu Beginn und im Vorgespräch auch darüber gesprochen. Kann man Prokrastination überhaupt alleine angehen? Also wenn ich schon etwas tiefer sitzen, als wenn es nicht nur um Priorisierung geht, also kann man das alleine oder braucht man Unterstützung in dem Zusammenhang wie Sie das?

Björn
Ist eine Typfrage. Natürlich. Ich glaube, es ist schon schwieriger, das allein in den Griff zu kriegen, weil auch das. Also im Prinzip ist ja Prokrastinieren und sich immer wieder neue Ausreden zu suchen, warum man es nicht, warum man irgendetwas nicht anfängt oder zu Ende bringt, ist ja ein Vermeidungsverhalten. Es gibt ja diesen schönen Satz Vermeidung ist die Wurzel allen Übels. Und da wirklich komplett alleine rauszufinden, da die 180 Grad Kurve zu schaffen und zu sagen So, stopp! Jetzt frage ich mich mal wirklich, warum fange ich einfach, fange ich eigentlich nicht an? Ist ja schon wieder gefährdet, dann auch unter Prokrastination zu leiden. Also dass man dann das auch wieder vor sich herschiebt, weil es ist eigentlich eine Konfrontation ja mit sich selbst. Ich halte das für sehr schwierig, so ein Thema wirklich ganz alleine anzugehen. Ich glaube, da kann, da können gute Gespräche helfen, bestimmt auch mit Mentoren, die vielleicht mal in einer ähnlichen Situation stecken. Natürlich kann ein Coaching und ein Coach helfen. Das ist ja auch ein sehr häufiges Thema im Coaching.

Björn
Tatsächlich dieses Ich erreiche meine Ziele einfach nie. Und wenn man dann genau hinhört, kommt ja dann oft vom Klienten auch so was, das man eigentlich noch gar nicht angefangen hat. Oder dass man eigentlich auf dem gleichen Punkt vor sich hin tritt und sich nicht traut, den nächsten Schritt zu gehen. Das sind ja ganz häufige Themen und ich glaube auch, das wäre nicht so häufig im Coaching vertreten, wenn es alleine einfach zu lösen wäre.

Jan
Ja, also ich finde auch, da kann man ja iterativ vorgehen. Also wenn man das feststellt, dass man die Systeme hat oder dass man damit ein Thema hat, dann kann man erst mal schauen, woran liegt es denn? Wir haben darüber gesprochen. Man kann schauen, ob man sich selbst organisieren kann, ob es Techniken gibt zum Priorisieren, zum Teil fürs Zeitmanagement. Wenn man feststellt, das ist eigentlich nicht gewesen, dann kann man auch tatsächlich darüber nachdenken, was steckt dahinter? Ist es tatsächlich ein erhöhter Selbstanspruch? Ist das Perfektionismus? Es ist Angst davor, zu scheitern und deshalb nicht abzugeben. Und dann kann man auch da in den Selbsttest gehen. Also. Vielleicht auch mal gucken in Situationen, in denen es nicht drauf ankommt. Also wo jetzt nicht gerade der Topf dranhängt oder wie auch immer, mal zu sagen, vielleicht versuche ich es mal mit einer Lösung, die weniger ist als 100 oder 120 Prozentig. Vielleicht probier es mal mit 80 % und schau mal was passiert das man auch da Referenz Erlebnisse schafft und vielleicht lernt es passiert nichts schlimmes oder selbst wenn ich glaube es ist quasi nicht der Anspruch, den den den ich eigentlich habe oder der, der von mir erwartet wird.

Jan
So ist es ja, dass ich es mal ausprobiere. Das heißt nicht, dass man irgendwo jetzt Schrott abliefern muss oder jetzt irgendwie böswillig etwas tut. Aber dass man vielleicht mal etwas versucht durchzuatmen, immer etwas entspannter zu sein und mal zu gucken, wie es dann ankommt. Denn auch das ist ja der Punkt, wenn ich mich jetzt, auch wenn man sich Lösungen anguckt, jeder kennt auch das Pareto Prinzip. Nur mit 20 % des Aufwands bekomme ich 80 % des Ergebnisses und die restlichen 20 % des Ergebnisses. Dafür brauche ich nicht nochmal 80 % des zeitlichen Aufwand ist also da wird es richtig schwierig. Und wenn ich dann immer 100 % anstrebe oder noch mehr, dann kann ich mir ausrechnen, wie viel Zeit ich dafür benötige, das alles hinzubekommen. Und dann ist es auch kein Wunder, dass ich verschiedene Dinge nicht hinbekommen kann. Das heißt das es auch noch mal eine Möglichkeit wie man es selbst ausprobieren kann. Man kann dazu natürlich lesen, man kann das gerade schon auch mal mit Freunden sprechen und manchmal hilft es aber auch dann tatsächlich mal einen anderen Spiegel in diesem Zusammenhang zu bekommen.

Jan
Und das kann je nach, je nach Tragweite und so kann das im Freundes Gespräch, das kann was bringen. Es kann auch etwas professioneller in einem Coaching Rahmen erfolgen. Oder wenn es ganz ganz tief sitzt, dann kann es auch durchaus sein, dass auch der Coach dann nicht mehr das Mittel der Wahl ist, sondern dass da vielleicht auch psychologische Hilfe oder so was sinnvoll sein kann. Und das ist ja auch wiederum eigentlich das Schöne mit dabei. Ich finde, das sollte man auch nicht stigmatisieren, sondern in dem Moment, wo man da Unterstützung erfährt und sich dadurch etwas verändert und sich dann die Lebensqualität bessert, dann kann man ja hier tatsächlich ein Stück weit auch heilen, ein Stück weit mehr sich besser fühlen und damit wirklich was in das Leben mit hinaus nehmen. Wieder also aus dieser Maßnahme und aus diesen diese Arbeit daran.

Björn
Ja, das hast du schön gesagt. Ich glaube, wir können es zusammenfassen mit, dass man es sehr wohl in den Griff kriegen kann. Das kann sich sehr wohl ändern. Und ich glaube, das wäre so mein letzter Gedanke, dass das, was überhaupt nicht hilft und das weiß eigentlich jeder, der schon mal was vor sich hergeschoben hat, ist, wenn andere Leute sagen Macht doch einfach mal! Also das sind, das sitzt halt tiefer. Weil wenn man einfach mal machen könnte, würde man es garantiert tun, dass das ist. Ja, das ist das, was jedem eigentlich sofort einleuchtet, dass 111 einfach mal machen, auch wenn es dann vielleicht im Endeffekt einfach wäre eben nicht möglich ist. Und das kann man aber beseitigen und dann auch sehr entspannt sehr produktiv sein, ohne immer 100 % erreichen zu müssen. Ja. Ja. Wir hoffen, das hat euch heute gefallen. Ist ja ein weitverbreitetes Thema. Aber es würde natürlich interessieren, ob ihr auch schon mal prokrastinieren hat oder ob ihr es in den Griff bekommen habt.

Björn
Wir freuen uns über Kommentare oder auch Themenvorschläge an unsere Kontaktdaten, die wie immer in dieser Podcast Beschreibung eingebunden sind werfen. Ihr bleibt uns gewogen und ich sag auf Wiedersehen und der Jan sagt.

Jan
Auf Wiederhören.

Björn
Tschüss.

Jan
Ciao.

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