Dein Browser unterstützt leider nicht alle Funktionen dieser Website. Bitte aktualisiere ihn auf eine neuere Version oder hol’ dir einen modernen Browser.
zum Download von Firefox zum Download von Google Chrome zum Download von Opera
Ignorieren
Coach & Coach Logo Podcast

Das macht man nicht – die Macht der Glaubenssätze

5. Januar 2024

In dieser Folge diskutieren wir über den Satz „Das macht man nicht“ und seine Auswirkungen auf Einzelpersonen. Wir erforschen die Ursprünge und Konsequenzen dieses Glaubens (bzw. der Glaubenssätze), insbesondere in Bezug auf soziale Gruppen und persönliche Freiheit. Wir fokussieren uns darauf, wie wichtig es ist, die Gültigkeit solcher Überzeugungen zu hinterfragen und die tatsächlichen Konsequenzen des eigenen Handelns zu berücksichtigen. Wir betonen auch die Rolle persönlicher Entscheidungen und individuellen Verhaltens bei der Infragestellung gesellschaftlicher Normen.

Wir hoffen, das Gespräch ermutigt euch, über eure eigenen Überzeugungen nachzudenken und bewusste Entscheidungen zu treffen, die mit euren Werten auch wirklich übereinstimmen.

Kapitel:

00:00 Einführung und Hintergrund

05:50 Glaubenssätze und ihre Auswirkungen

13:00 Angst vor dem Ausschluss aus sozialen Gruppen

16:47 Hinterfragen der Konsequenzen und persönlicher Freiheit

19:09 Persönliche Entscheidungen und Verhalten

20:10 Abschluss

Listen on Apple Podcasts
Spotify Logo Coach & Coach

Björn (00:01.198)
Herzlich willkommen zu einer neuen Folge von Coach & Coach, dem Coaching-Podcast mit mir, Björn Bobach und Jan Gustav Franke. Und den sehe ich auch schon, wie immer, im Monitor. Hallo Jan! Ich freue mich, dass wir uns wieder mal zusammengefunden haben, um heute über ein Thema zu sprechen, das im Coaching allgegenwärtig ist, eigentlich, das uns auch immer wieder begegnet. Und das ist der schöne Satz, das macht man nicht.

Jan (00:13.264)
Hallo Björn!

Björn (00:31.502)
Wir beschäftigen uns damit tatsächlich, weil ich habe es vorgeschlagen, weil ich das zuletzt öfter gehört habe, dass meine Klienten sich gehemmt fühlen, weil sie diesen Satz entweder akut häufig hören oder früher mal sehr häufig gehört haben. Und da habe ich mich gefragt, warum ist das so, vor allem in einer bestimmten Altersgruppe, nämlich meiner? Ich bin dieses Jahr 50 geworden, also das ist tatsächlich etwas, was ich bei jüngeren Klienten seltener beobachte. Und…

Was sind eigentlich die Ursachen und was sind die Konsequenzen? Darüber wollen wir uns heute unterhalten. Hast du den Satz denn auch schon mal vernommen, verzeihung Jan, auch wenn du deutlich jünger bist als ich?

Jan (01:12.048)
Ja, tatsächlich. Ich kenne ihn auf jeden Fall in der Generation noch vor meinen Eltern. Da habe ich das auch schon öfter gehört. Jetzt nicht spezifisch von meinen Großeltern, aber in der Diskussion, wo man dann über bestimmte Dinge oder Handlungsweisen von Personen doch mal diesen Kommentar hört, das macht man nicht.

Björn (01:21.358)
Mhm.

Björn (01:38.19)
Hast du ein Beispiel gerade so spontan?

Jan (01:42.288)
Das sind Themen wie, mir fallen da immer so Marktsituationen ein, irgendwie auf dem Wochenmarkt. So was wie, da geht irgendwo jemand vorbei und schaut sich dann da irgendwie Obst jenseits der Schlange an und es könnte halt irgendwie sein, dass er sich da gerade vordrängelt und dann ist es halt eben so, das macht man nicht. Oder, wo ich das auch schon gehört habe, ist in beispielsweise Konstellationen, Beziehungskonstellationen.

Björn (01:47.982)
Mhm.

Björn (02:01.006)
Hm.

Jan (02:09.008)
wo sich beispielsweise ein Paar entschieden hatten, einen unkonventionellen Weg zu gehen. Also die hatten vielleicht einen Konflikt und haben sich aber nicht klar getrennt, sondern haben gesagt, wir haben jetzt hier irgendwie erstmal braucht man eine Auszeit oder wie auch immer. Oder jemand hat mal gesagt, ich brauche mal Zeit für mich, wo man auch sowas von außen gehört hat, wie das macht man nicht. Und es ist ja immer etwas Wertendes mit dabei, also über eine Handlung, ein Verhalten von anderen.

Was da eben mitschwingt, es ist eben so nicht in Ordnung, wie andere Menschen sich verhalten. Da gibt es eigentlich viele unterschiedliche Beispiele.

Björn (02:46.414)
Ja, also was mir so ganz klassisch als erstes einfällt, ist auch aus meinem Elternhaus, man wäscht das Auto nicht an einem Sonntag. Ich weiß gar nicht, ich bin jetzt nicht so bewandert im bürgerlichen Gesetzbuch, ob das tatsächlich irgendwo verboten ist, aber man macht das einfach nicht. Also so wie dass man den Rasen auch nicht zu bestimmten Uhrzeiten zu mehnen hat, da gibt es ja tatsächlich auch eine Regel für. Aber…

Jan (02:56.08)
Mhm.

Björn (03:13.87)
Selbst wenn man sich an diese Regel hält, zu bestimmten Zeiten machte man das bei uns in der Nachbarschaft einfach nicht. Und wenn das passierte, dann war großes Getotter auch unter den Nachbarn. Das haben Sie wieder mitbekommen, da wurde wieder, das macht man nicht und solche Sachen. Im Coaching ist das natürlich jetzt nicht so das Thema. Also ich habe noch nie einen Klienten gehabt, der gesagt hat, ich würde so gerne meinen Rasen zu einer bestimmten Zeit melden, aber das macht man ja einfach nicht, darum geht es nicht. Da geht es dann eher so um tatsächlich so ein Beispiel, wie das, was du jetzt hattest.

Jan (03:35.664)
Hm.

Björn (03:43.502)
diese Beziehungskonstellation ganz häufig auch Umgang mit Kindern habe ich erlebt. Dass also zum Beispiel jemand mal sich gefragt hat, wann eigentlich der richtige Zeitpunkt dafür ist, das Kind in die Kita zu schicken und das dann irgendwie immer weiter aufgeschoben hat, weil man macht das ja nicht, ein Kind so früh in die Kita schicken oder so früh in den Hort schicken, je nachdem, wo man gerade lebt, wie es dann da heißt.

Jan (03:50.704)
Mhm.

Björn (04:13.326)
Und das ist unglaublich einschränkend. Also es gibt ja kein Gesetz, das dagegen spricht, ein Kind zum Beispiel mit einem Jahr schon in die Kita zu schicken. Aber es schränkt dann unheimlich ein, zum Beispiel wenn die Mutter zu Hause geblieben ist und die möchte dann eigentlich gerne wieder arbeiten und macht das dann nicht, weil man sagt, das macht man so nicht. Das Kind hat jetzt die ersten drei Jahre rund um die Uhr beide zu bleiben. Also in solchen Situationen erlebe ich das im Coaching dann eher.

Jan (04:15.664)
Mmh.

Jan (04:38.928)
Ja, genau. Oder es gibt es ja auch spezifisch sozusagen auch auf bestimmte, sag ich mal, Gruppierungen, in Anführungsstrichen, von Menschen. Also, dass man zum Beispiel ausdrückt, wie das macht eine junge Frau nicht, ja, so was. Oder das macht man als junger Mann nicht oder wie auch immer. Das kann ja alles Mögliche sein, was da mit reinschwingt. Aber es hat ja die Anmutung, als gäbe es irgendeine Autorität dahinter, die sagt, das ist richtig oder das ist falsch.

Björn (04:50.318)
Oh ja.

Jan (05:06.992)
Frage ist, wenn ich gerne mal kennenlernen würde, wäre diesen Mann, dieses Mann, was sagt, dass es halt eben nicht zu tun ist. Das heißt also, wer steckt denn eigentlich dahinter?

Björn (05:20.462)
Genau. Und darüber wollen wir uns ja heute unterhalten, wo das eigentlich herkommt und warum es so eine Macht hat über viele Menschen und vielleicht auch, wie man sich dessen ein bisschen entledigen kann oder entlasten kann davon. Und darüber wollen wir uns heute unterhalten. Da müssen wir natürlich anfangen mit einem unserer Lieblingsthemen, die, glaube ich, fast in jeder Folge zur Sprache kommen. Das sind die wohlbekannten Glaubenssätze, die da rein spielen.

die uns also in frühester Kindheit schon eingetrichtert haben, was man zu tun hat und was nicht, und was man zu gut zu finden hat und was nicht. Da geht es natürlich dann vor allem um so ein Verhalten wie, du darfst jetzt nicht zu laut spielen, das macht man nicht, das stört die Nachbarn. So als Beispiel. Du darfst nicht laut sein, das macht man nicht.

Jan (06:08.208)
Mm.

Jan (06:11.728)
Ja genau, also das sind genau diese Themen, in denen das mitschwingt und die man schon früh erfährt, sage ich jetzt mal. Und oftmals ist es ja auch eine Verkürzung. Also nehmen wir jetzt mal genau dieses Beispiel. Das macht man nicht, wenn man das jetzt einem Kind sagt. Und dann ist das ja erst mal auch keine Erklärung, was jetzt hier dieser Sachverhalt ist. Also eine Botschaft wäre ja auch zu sagen.

Björn (06:35.534)
Hm.

Jan (06:38.928)
Ich würde mir wünschen, dass du dieses oder jenes anders machst, weil, wenn man jetzt sagt, man schubst niemanden, das macht man nicht. Aber auch hier quasi zu erklären, was ist denn die Konsequenz der Handlung und was sind vielleicht die Hintergründe, dass man auch differenzieren kann, was die Punkte sind, weil jeweils wo man mit Pauschalen arbeitet und auch kommuniziert, speichert man die natürlich auch im Bewusstsein, unter Bewusstsein relativ pauschal ab und dann werden die vielleicht auch an…

Björn (06:47.79)
Ja.

Jan (07:06.352)
in Situationen herausgezogen, diese Sätze, wo sie vielleicht gar nicht passen.

Björn (07:11.278)
Ich meine, wenn du jetzt das Beispiel nimmst mit das, man schubst niemanden, das macht man nicht, da ist ja die Intention sogar eine gute. Man sollte niemand anderen zu Schaden kommen lassen. Aber wenn es jetzt um das eigene Verhalten geht, was ich mich gerade gefragt habe, zum Beispiel bei diesem Satz, das sei nicht so laut, das macht man nicht, ist die Frage, macht man das nicht oder will nur der, der den Satz formuliert das gerade nicht?

Jan (07:29.328)
Mhm.

Jan (07:36.24)
Mhm.

Björn (07:36.654)
Das muss man sich ja auch ganz bewusst machen. Ist das gerade vielleicht so, dass da jemand nur selber von etwas gestört ist und haut dann dieses Pauschale, das macht man nicht, dafür wirst du gesellschaftlich geächtet, wenn du dich so verhältst, schieb das nur vor, weil es ihn selber gerade stört.

Jan (07:48.688)
Mmh.

Jan (07:53.328)
Naja, das ist vielleicht auch noch mal eine wichtige Differenzierung, dass es hier letzten Endes nicht um den Punkt geht, dass jemand eine Ich-Botschaft formuliert und sagt, das stört mich jetzt persönlich, sondern dass es ja eigentlich eine Ebene höher aufgehängt wird und dass es im Prinzip wie eine allgemein gültige Regel formuliert wird in dem Zusammenhang.

Björn (08:08.942)
Ja, richtig, genau. Und in dem Zusammenhang ist es, glaube ich, auch wichtig, nochmal darauf hinzuweisen, dass natürlich das nicht nur in der Kindheit passiert, solche Glaubenssätze, dass solche Glaubenssätze entstehen. Das kann auch durch Erfahrung sein. Ich erinnere mich daran, dass ich zum Beispiel, als ich noch Sänger war, also da war ich Gesangsstudent, und ich habe zu Hause geübt.

was ich auch darf, also was auch mein Anrecht ist als Bürger dieses Landes, in bestimmten Zeiten darf ich zu Hause Musik machen und durfte auch meinen Gesang da trainieren. Ich habe das immer in Maßen gemacht, weil ich natürlich auch weiß, dass so was für Nachbarn anstrengend sein kann, wenn man da stundenlang immer die gleichen Phrasen, die gleichen Übungen hört. Aber da war ein Nachbar, der hat tatsächlich sich unglaublich da reingesteigert.

Jan (08:38.319)
Hmhm

Jan (09:02.576)
Mhm.

Björn (09:03.502)
stand auch diverse Male damals bei mir vor der Tür und hat mich also aufs tiefste beschimpft und auch immer wieder diesen Satz gesagt, das macht man nicht, das fällt ihnen ein. Und das hat mich natürlich geprägt, weil ich weiß noch, dass ich dann natürlich nach diesem Ereignis nicht mehr mich so frei fühlte in meinem musikalischen Schaffen. Ich habe mich dann überhin weggesetzt, aber das hat mich natürlich gehemmt und das ist mir dann jedes Mal, wenn ich wieder umgezogen bin,

Jan (09:13.36)
Mhm.

Jan (09:23.824)
Hmm.

Björn (09:33.582)
in eine andere Stadt, weil ich den Studienplatz gewechselt habe oder irgendwie sowas, ist mir das jedes Mal wieder so gegangen, dass ich dann vor dem ersten Mal oder den ersten Mal üben gedacht habe, um Gottes willen, gleich kommt wieder jemand, weil das macht man ja nicht. Also diesen Gedanken hatte ich schon im Kopf. Also das ist etwas, was sich natürlich erst im Erwachsenenalter dann bei mir so eingeprägt hat. Und jetzt, wenn wir das jetzt mal weiterspinnen, hätte ich mich davon …

Jan (09:46.352)
Hmm.

Björn (09:59.374)
extrem beeinflussen lassen. Also hätte ich jetzt mich nicht drüber hinweg gesetzt und gesagt, na ja, ich lasse den jetzt mal schimpfen, hätte das ja enorme Konsequenzen für mich gehabt. Ich hätte mir die Zeit nicht nehmen können, um zu üben. Und das ist ja genau die Gefahr, die diesem Satz inne wohnt. Weil wenn da ein Verhalten kritisiert wird, was nur jemand individuell stört, was aber niemandem wirklich schadet, dann kann das ja dazu führen, dass jemand seine persönlichen Freiheiten komplett einschränkt. Und das finde ich sehr gefährlich.

Jan (10:07.664)
Hm.

Jan (10:25.136)
Hm.

Björn (10:26.158)
Das finde ich sehr gefährlich, je nachdem, was man für eine Persönlichkeitsstruktur hat, kann das ja dazu führen, dass man wirklich eingeschränkt lebt. Und das habe ich im Coaching auch schon mal beobachtet. Also das hatte ich schon, dass jemand mir gegenüber saß, wo ich gedacht habe, aiaiai. Da hat dieser Satz aber ganz schön zu einer, ja das war schon fast eine gefängnisartige Situation, wo sich jemand drin fühlte, weil er dachte, er kann überhaupt nicht das ausleben, was er gerne möchte.

Jan (10:53.104)
Ja, das ist ja auch ganz interessant. Der Gedanke, der mir jetzt gerade kam, die Assoziation, als du jetzt diese Situation mit den Nachbarn beschrieben hast, ist die geliehene Autorität. Also im Grunde genommen ist es, wie du gesagt hast, ist es eine individuelle Aussage. Also eigentlich stört es deinen Nachbarn, wenn du singst. Weil das aber vielleicht nicht ausreicht als Argument, dass es ihn das persönlich stört, sagt man dann, das macht man nicht. Das heißt, das ist im Prinzip so, als wäre das allgemein gültig.

Björn (11:03.502)
..

Jan (11:22.736)
Und das ist ja auch interessant, wenn man dann umzieht und woanders ist und dann Hemmungen hat zu singen, dann könnte ja die Schlussführung erstmal für einen sein, na gut, der Nachbar, der wohnt ja immer noch in der anderen Stadt, also wird es jetzt hier in Ordnung sein. Aber nein, man hat es abgespeichert auch als entweder individuelle Erfahrung, dass es ein Nachbar stellt oder tatsächlich so, dass man sagt, man macht das nicht, es ist allgemeingültig. Und das ist einen zumindest erstmal beschäftigt und vielleicht auch hemmt in der Art und Weise. Und das ist natürlich schon ein starker Impact.

Björn (11:47.374)
Hm.

Jan (11:52.88)
Und genauso gut könnte es ja auch sein, dass sich ganz viele von deinen Nachbarn darüber gefreut haben, dich singen zu hören. Das wäre ja auch eine Möglichkeit, aber vielleicht haben sie sich nie dazu geäußert. Und das finde ich eigentlich auch ganz gut in dieser… Also wenn man das jetzt mal bearbeiten möchte, wenn man für sich erst mal feststellt, ich habe da eine Hemmung, weil irgendetwas da ist, ich tue etwas nicht und ich frage mich, warum tue ich das nicht? Und dann stelle ich fest, weil man das nicht macht. Und wenn man dann mal in sich selbst hineinhört und mal versucht zu verstehen…

Björn (11:57.678)
Ja genau.

Björn (12:17.358)
Hm.

Jan (12:23.632)
Wer, wenn ich das jetzt mal tatsächlich versuche, akustisch in meinem Kopf nachzuvollziehen, wer sagt denn das? Ist das meine Stimme, das macht man nicht? Ist das die Stimme von Eltern? Ist das die Stimme von Großeltern? Ist das die Stimme von meinem Nachbarn? Gibt es jemanden, der dahintersteckt, der das eigentlich mal initiiert hat oder gesagt hat? Also ist das etwas Allgemeingültiges, was ich empfinde? Oder ist es tatsächlich hier irgendeine Autoritätsperson, Bezugsperson auch aus meinem Leben, die ich jetzt hier aktuell damit verbinde und deren Meinung, dass das…

Björn (12:48.75)
Hm.

Jan (12:53.424)
dann vielleicht in diesem Detail ist, aber es muss keine allgemeine Gültigkeit haben. Das kann schon mal ein erster Schritt sein, da etwas tiefer reinzugehen.

Björn (13:00.43)
Das perfide an diesem Satz, das macht man nicht, ist ja vor allem, dass er uns damit droht, etwas zu verlieren, was wir als Grundbedürfnis eigentlich brauchen. Und das ist die Zugehörigkeit zu unseren sozialen Gruppen, zu unserer Nachbarschaft, wie jetzt bei mir da in dem Fall zu einer Gruppe von Studenten zur Familie ja auch ganz häufig. Und dieser Satz, das macht man nicht, droht ja damit

Jan (13:12.72)
Mhm.

Björn (13:26.862)
Wenn du das machst, bist du ein Außenseiter und gehörst nicht mehr dazu. Und deswegen ist, haut dieser Satz auch so rein. Deswegen ist das auch etwas, wo sich, glaube ich, fast keiner von freisprechen kann, wenn er das zu hören kriegt, dass es nicht kurz zumindest zuckt. Also ich glaube tatsächlich, dass es niemanden gibt, der da nicht ganz kurz denkt, oh je, wenn ich, auch wenn es nur eine Sekunde ist, kurz überlegt, oh, wenn ich das mache, dann drohen mir ernsthafte Konsequenzen, weil ich gehöre nicht mehr dazu.

Jan (13:30.576)
Mhm.

Jan (13:34.352)
Hm.

Jan (13:41.712)
Mhm.

Jan (13:55.408)
Mmh.

Björn (13:56.43)
Fällt mir ein anderes Beispiel auch ein, ich habe den Beruf ja mal sehr abrupt gewechselt, also als ich dann mit dem Singen aufgehört habe und das damals meinen Großeltern verkündet habe, habe ich auch diesen Satz gehört, das macht man nicht und das konnte ich überhaupt nicht verstehen. Aber da wurde mir ja tatsächlich gedroht, wenn du das machst, dann hast du hinterher mit Konsequenzen zu rechnen, weil das ist nicht anständig. Und das wurde mir auch, solange sie noch lebten.

Jan (14:12.208)
Mhm.

Björn (14:25.198)
immer mal wieder so kredenzt, dass ich ja ein Karriereabbrecher bin. Also so in so Nebensätzen, so unterschwellig. Das war für mich in dem Moment nicht so entscheidend, weil ich gedacht habe, ja komm, es ist eine andere Generation. Aber das kann natürlich dazu führen, dass man sich auch selbst in der eigenen Familie, in seinem eigenen engsten Kreis, wie man auch immer Familie dann definiert, nicht mehr zugehörig fühlt. Und das kann natürlich zu wirklichen persönlichen Schwierigkeiten führen.

Jan (14:27.76)
Mhm.

Mhm.

Jan (14:39.6)
Hm.

Jan (14:49.68)
Hmm.

Jan (14:55.312)
Ja, aber das ist ja vielleicht auch genau der richtige Ansatzpunkt in dem Zusammenhang, wenn man das erfährt im Sinne von jemand sagt so etwas oder man erfährt das in dem Sinne, dass einem das ist von innen kommt. Man handelt etwas oder man hat eine Intention etwas zu tun, aber man fühlt sich dann gehemmt, weil man im Kopf eben diesen Satz hat, das macht man nicht. Also einmal für sich zu hinterfragen, woher kommt das? Ist das jetzt kommt das aus mir selbst oder kommt das irgendwie aus dem Kollektiv, was ich so wahrgenommen habe in Summe?

bestimmte Personen auch bezogen, der ich diese Äußerung oder Bewertung in dem Zusammenhang zuschreibe. Und was heißt das für mich? Muss ich das annehmen? Oder ist das eine Meinung, die ich vielleicht toleriere von jemand anderem, aber das hat für mich jetzt erstmal keine weitere Bestimmung? Und was sind die tatsächlichen Konsequenzen? Denn eine Aussage, das macht man nicht und deshalb ist es dann kein richtiges Verhalten, das wird geächtet oder wie auch immer nicht

Jan (15:54.864)
Aber die Frage ist ja, was ist aus meiner Sicht die tatsächliche Konsequenz davon? Und die Freiheit, die persönliche, ist natürlich umso größer, je mehr ich darauf pfeife oder mich unabhängig davon mache, was andere Menschen von mir erwarten. Denn letzten Endes gibt es ja keine andere Instanz, die am Ende des Tages auch mit meinem Leben zurechtkommen muss als ich selbst.

Björn (16:00.558)
Hm.

Jan (16:22.992)
Aber wir sind natürlich nicht frei von unserer Umgebung oftmals. Die wenigsten werden da so unabhängig sein, dass sie sagen, das ist mir alles völlig egal. Aber das mal so kritisch zu hinterfragen, ist das jetzt hier vielleicht eben ein spezielles Problem von einer Person. Und deshalb muss mich das nicht weiter hemmen. Was sind die konkreten Konsequenzen, was ich tue? Das ist natürlich ein guter Schritt, die hier auch einfach differenziert damit umzugehen, auch wenn solche Dinge aufpoppen.

Björn (16:47.15)
Ja, ich glaube auch, dass das Entscheidende ist halt, dass man sich fragt, ist das jetzt etwas, was jemandem anderen schadet, wenn ich es tue? Also ist das diese schöne Definition von persönlicher Freiheit, die nur so weit geht, bis sie die Freiheit eines anderen Menschen einschränkt? Also das ist, finde ich, ganz entscheidend. Ich glaube auch tatsächlich, dass man sonst, dass man dieses Thema nur dann angehen muss, wenn das nicht gegeben ist. Also wenn man mit einem Verhalten eigentlich niemanden beeinflusst, niemandem schadet, wirklich schadet.

Jan (16:53.712)
Mhm.

Jan (17:01.584)
Hm?

Jan (17:16.591)
Mhm.

Björn (17:16.973)
ist die Frage nach dem ob man das macht, wer auch immer dieser Mann ist, wie du es eben gesagt hast, eigentlich egal. Und dann sollte man sich dann fragen, warum hat das so eine Macht über mich, wo kommt das her, wie ist dieser Glaubenssatz entstanden, war das eine Autoritätsversion, eine frühere Erfahrung und das kann man ja wunderbar bearbeiten, das kann man ja wunderbar aufdröseln und dann eigentlich auch ganz schnell entkräften. Weil ich glaube diese Frage …

Jan (17:23.472)
Mm.

Björn (17:43.982)
nach den Konsequenzen von so einem Verhalten, das ist ganz entscheidend. Auch wenn man zum Beispiel Angst hat, man gehört dann nicht mehr dazu. Wenn man ein bestimmtes Verhalten dann trotzdem noch, noch also dann nicht ablegt, auch wenn man das nicht macht. Was ist die tatsächliche Konsequenz? Was ist wirklich das Schlimmste, was passieren könnte? Und wenn einem dann vielleicht zum Beispiel klar wird, dass nehmen wir mal den Freundeskreis. Also man macht das nicht, hat man vielleicht Angst, dass

Jan (17:50.064)
Hm.

Björn (18:11.79)
das Verhalten dazu führt, dass man Freunde verliert, kann man sich die Frage stellen, sind das dann überhaupt meine Freunde, wenn die das nicht akzeptieren, dass ich eine bestimmte Entscheidung getroffen habe oder etwas auf eine andere Art und Weise mache, aber mir das gut tut, aber es niemandem anderen schadet. Also sonst sollte man das, glaube ich, dann muss man sich an dieses Thema ranwagen oder sollte man daran arbeiten, wenn man da merkt, man ist gehemmt, auch wenn überhaupt niemand anders zu Schaden kommt. Und ansonsten…

Jan (18:26.undefined)
Mmh.

Björn (18:38.798)
ist natürlich so, dass wenn man jetzt um das Schubsen geht, um nochmal den Bogen zum Anfang zu kriegen, das ist natürlich etwas, das macht man natürlich nicht. Und das sollte man im Kind ja auch vermitteln, dass man sich hier nicht durch die Gegend schubst. Und man schadet auch niemandem körperlich und man raubt auch keine Bank aus. Natürlich, da sind wir uns ja einig, zumindest in unserer Realitätskonstruktion, die wir hier jetzt beide haben, dass das kein Verhalten ist, das irgendwie förderlich ist. Aber solange man sowas nicht macht, muss man sich, glaube ich, über so einen Satz nicht viele Gedanken.

Jan (18:43.088)
Mmh.

Jan (19:01.232)
Mmh.

Jan (19:09.296)
Ja, und ein Gedanke dabei ist ja auch bei diesen Dingen, wenn wir jetzt sagen, okay, das macht man tatsächlich oder natürlich nicht. Das ist ja auch wieder natürlich oder ist eine Verallgemeinerung ein Stück weit, aber sich einfach mal die Frage zu stellen, wie sehe ich das denn persönlich? Mir kam gerade dieses Beispiel, gehe ich bei Rot über eine Ampel oder nicht? Da sagt man auch, das macht man nicht. So, und man kann, das kann aber auch den Schritt weitergehen.

Björn (19:32.174)
Ja.

Jan (19:38.512)
und die Sache für sich personalisieren und sagen, das ist ein Glaubenssatz, der schwirrt irgendwo rum, aber meine aktive Entscheidung ist, ich gehe nicht über eine rote Ampel, weil ich nicht möchte, dass beispielsweise ein Kind, selbst wenn es nur hinter dem Fenster steht, das sieht und dann eventuell das Verhalten nachmacht und dann gefährdet wird. Und so kann man eigentlich diese Dinge auch für sich selbst nochmal hinterfragen und aktiv entscheiden, nehme ich die für mich an oder bin ich so frei, dass ich anders entscheide und mich anders verhalte.

Björn (19:50.798)
Mmh.

Björn (20:07.406)
Das ist ein schöner Schlusssatz.

Jan (20:10.736)
Ja, ich freue mich sehr, dass wir dieses Thema heute hier besprechen konnten. Wir hoffen euch hat es auch gefallen und freuen uns schon auf die nächste Folge. Bis dahin erreicht ihr uns über die üblichen Kontaktdaten, die ihr hier auch dementsprechend in den Show Notes findet. Und ja, wir freuen uns, das nächste Mal euch zu hören und verabschieden uns bis dahin. Auf Wiederhören.

Björn (20:35.214)
Bis bald, ciao.

Letzte Blogbeiträge