Portrait Björn Bobach

Coaching Blog & Podcast

Unser Umgang mit Stille

16. April 2024

Jan und ich stellen fest, dass Stille individuell wahrgenommen wird und in verschiedenen Situationen unterschiedlich empfunden werden kann. Stille kann bewusst als Gesprächswerkzeug eingesetzt werden, um das Gegenüber aus der Reserve zu locken. Stille kann auch sehr wertvoll sein, um zur Ruhe zu kommen und in Kontakt mit sich selbst zu treten. Stille aushalten ist empfehlenswert und bei Bedarf sollte offen angesprochen werden, wenn sie als unangenehm empfunden wird. Mit Schweigeseminaren und Meditation kann man seine Stille-Erfahrung optimieren und ausweiten.

Take-aways

  • Stille wird individuell wahrgenommen und kann in verschiedenen Situationen unterschiedlich empfunden werden.
  • Stille kann bewusst als Gesprächswerkzeug eingesetzt werden, um das Gegenüber aus der Reserve zu locken.
  • Stille kann wertvoll sein, um zur Ruhe zu kommen und in Kontakt mit sich selbst zu treten.
  • Es ist wichtig, Stille auszuhalten und bei Bedarf offen anzusprechen, wenn sie als unangenehm empfunden wird.

Kapitel

00:00 Einführung: Stille und Umgang damit
01:10 Unterschiedliche Empfindungen von Stille
05:03 Bewusster Einsatz von Stille
06:07 Stille als Möglichkeit zur Selbstreflexion
07:23 Stille als rhetorisches Mittel
09:20 Stille als Ausdruck von mentaler Beschäftigung
10:23 Stille als intimer Moment
11:21 Stille als Raum für eigene Gedanken
12:51 Stille als Möglichkeit zur Klärung
14:34 Stille als Möglichkeit zur Klarheit
18:33 Authentisches Ansprechen von unangenehmer Stille
19:29 Aktives Fragen, um Stille zu überwinden
19:56 Aushalten von Stille
20:23 Hinterfragen der Angst vor Stille
21:44 Schwierigkeiten mit Stille und Kontrolle
23:15 Abschluss: Stille genießen

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Björn (00:03.155)
Herzlich willkommen zu einer neuen Folge von Coach &Coach, dem Coaching -Podcast mit Jan Gustav Franke und mir Björn Bobach. Hallo Jan!

Jan (00:11.95)
Hallo Björn!

Björn (00:13.619)
Ja, und dass du jetzt geantwortet hast, ist ja eigentlich schon falsch, weil wir beschäftigen uns jetzt mit Stille und unseren Umgang damit. Und wir hatten gerade eben, als wir uns im Vorfeld dieser Aufnahme zu dem Thema unterhalten haben, so die witzige Idee, dass wir eigentlich euch begrüßen und dann mal nichts mehr sagen und euch mal mit der Stille allein lassen. Denn Stille bedeutet ja

in verschiedenen Kontexten sehr, sehr unterschiedliche Dinge und es fällt uns mal leicht, mal weniger leicht, damit umzugehen und manchmal finden wir das auch wunderbar, wenn es still ist. Also ich zum Beispiel, wenn ich jetzt direkt zum Beispiel reinwerfe, genieße die Stille im Urlaub. Ich genieße es, Ruhe zu haben, wenn ich in den Bergen bin oder an der See und das Meer rauschen höre, aber kein Menschen reden höre. Und in anderen Zusammenhängen finde ich Stille dann auch ganz fürchterlich.

Also zum Beispiel, wenn man in einer Diskussion oder in einem Streitgespräch mit jemandem ist, der einem näher ist und dann kommt so gar nichts zurück. Das finde ich dann wieder ganz fürchterlich. Und darüber wollen wir heute sprechen. Jan, was sind deine Gedanken?

Jan (01:25.55)
Ja, was sind meine Gedanken dazu? Also tatsächlich ist das, was mich ja immer beschäftigt, ist, wenn es eigentlich streng genommen keinen Unterschied gibt in einer Situation, messbar, aber es unterschiedlich empfunden wird. Und das ist ja bei Stille auch so. Wir haben da gerade kurz auch im Vorgespräch drüber gesprochen. Es gibt ja einen massiven Unterschied, ob ich jetzt beispielsweise bei einem ersten Date eine Straße lang schlender und

Es ist die ganze Zeit nur Stille und keiner der Person hat etwas zu sagen oder sagt etwas. Oder ich gehe mit einem langjährigen Freund, einer langjährigen Freundin spazieren und es ist einfach nur Stille da. Und man hat das Gefühl, man versteht sich. Das heißt, es gibt also etwas jenseits der Stille, nämlich eine Empfindung der Situation im …

im Umgang, wo ich oder in dem Kontext in dem ich gerade unterwegs bin. Das macht für sich auch noch einen Unterschied, ob ich alleine bin, ob ich mit jemandem zusammen bin. Und ganz massiv ist halt eben eine Frage der Perspektive, wie ich jetzt gerade diese Stelle empfinde. Und das finde ich erst mal eine interessante Feststellung, dass das also erst mal neutral nichts Gutes oder nichts Schlechtes ist, sondern es hat halt wie immer ganz viel damit zu tun, wie wir selbst dazu denken und wie wir das empfinden. Es ist ja, ja.

Björn (02:44.275)
Es hat damit zu tun, was wir für eine Erwartungshaltung an die Situation haben. Beziehungsweise was wir innerhalb der Situation auch vom Gegenüber erwarten. Also nehmen wir deine Beispiele, wenn ich mit einem langjährigen Freund irgendwo unterwegs bin und es herrscht Stille, dann ist das so eine schweigende Einigkeit. Weil man sehr wahrscheinlich auch weiß, wie der andere tickt, weil man davon …

weil man das schon lange kennt und weil man sich dem auch sehr verbunden fühlt. Und wenn ich, nicht dass ich das noch wäre, aber wenn ich auf einem ersten Date mich befunden habe, würde ich stille dann eher interpretieren mit, wir haben uns nichts zu sagen. Da ist die Erwartungshaltung eine ganz andere. Das ist eher so dieses, ich möchte eine Verbundenheit bewiesen kriegen. Ich möchte eine Zugewandtheit bewiesen kriegen, was in dem anderen Kontext mit dem langjährigen Freund nicht mehr nötig ist.

Und genauso unterschiedlich reagiert man dann ja. Deswegen ist es einem einmal unangenehm und einmal findet man es sogar wunderschön.

Jan (03:51.15)
Ja, genau. Also das hat tatsächlich einfach damit zu tun, was ist die Erwartungshaltung auch. Skurrile Situationen sind beispielsweise in einem Bewerbungsgespräch, wenn das Gegenüber nichts mehr sagt.

dann fühlt sich das auch in der Regel komisch an, egal welche Seite von beiden das jetzt gerade ist, die nichts mehr sagt. Da ist ja eher das Verstreben, dass man in einem regen Austausch miteinander ist. In einem ersten Date wäre das jetzt klassischerweise auch so, dass man wahrscheinlich erst mal irgendwie versucht, sich kennenzulernen und gleichzeitig kann man sich auch ohne Worte verstehen und quasi die Stille zusammen genießen. Und das ist auch möglich. Doch auch wenn man jetzt mal jenseits von diesen klassischen Situationen unterwegs ist, dann sind das natürlich auch Dinge, die

Björn (04:04.339)
Ja.

Jan (04:33.664)
zum Teil auch bewusst eingesetzt werden. Beispielsweise auch in einem Coaching -Kontext, in dem man vielleicht auch über ein Schweigen eines Coaches gegenüber einer Klientin vielleicht auch eine Pause erzeugt, die tatsächlich auch dazu verleitet, dass das Gegenüber dann von sich aus dann erstmal etwas aus der Reserve kommt oder erstmal etwas sagt oder auch etwas fragt, weil vielleicht gar nicht klar ist, was gerade überhaupt gefordert ist oder was die Erwartungshaltung in der Situation ist. Das heißt, man kann natürlich auch ein Schweigen oder Stille

ganz bewusst einsetzen. Das tun wir ja auch. Ritualisiert teilweise auch in unserem Leben. Wenn man an sowas denkt wie eine Schweigeminute, dann hat das was damit zu tun, dass man gemeinsam Ehre erweist, Respekt zollt in einem Trauerfall oder so was oder halt immer in sich geht. Es kann aber auch eben etwas sein, womit man eine Aktion dann versucht hervorzurufen oder eine Reaktion. Also es ist halt auch durchaus ein in diesem Falle rhetorisches oder stilistisches Mittel oder ein

mittel dem Instrument in der Gesprächsführung, was genutzt werden kann.

Björn (05:37.971)
Ich glaube, Stille ist auch was sehr Intimes, weil man in dem Moment ja eigentlich, wenn man jetzt unseren Alltag so betrachtet, nur in Stille in Verbindung mit sich selbst kommen kann. Also wenn es dauernd von außen einprasselt oder man ständig in einem beruflichen Kontext unter äußeren Informationsfluss ist, also Kollegen mit einem sprechen, anrufen.

man Menschen begegnet, ich denke an Menschen, die im Einzelhandel arbeiten, die die ganze Zeit quasi unter Dauerbombardement von außen sind, ist so ein stiller Moment der, wo ich mich tatsächlich nach innen kehren kann und mit mir in Kontakt treten kann. Und vielleicht ist es deswegen ja auch so schön, wenn man das mit einem Freund gemeinsam erlebt. Wenn man mit einem Freund gemeinsam mit sich selbst jeweils in Kontakt treten kann und das auch akzeptiert, weil …

Stille ist ja etwas, was oft nicht akzeptiert wird. Stille ist ja etwas, was ganz viele dann zu überspielen versuchen. Du hattest das Beispiel gerade mit den Bewerbungsgesprächen, wie seltsam das ist, wenn da Stille herrscht. Also ich führe ja relativ häufig Bewerbungsgespräche. Es ist tatsächlich so, dass ich das dann immer erlebe, dass dann so eine Stille überspielt wird mit ganz vielen Geschichten, die da erzählt werden und Informationen, nach denen man gar nicht gefragt hat eigentlich, nur um diese Situation aufrechtzuerhalten im …

Informationsgebe -Modus zu sein. Und es gefallen mir noch ganz viele andere Situationen ein, wo Stille vielleicht angebracht wäre, wo wir die aber gar nicht aushalten, wo wir dann anfangen, irgendetwas zu tun, nur damit keine Stille herrscht.

Jan (07:23.854)
Ja, ja, es ist also wie du schon sagst, es ist halt einerseits intim. Andererseits ist es halt eben auch so, je nachdem, wie die wie der Kontext ist, möchte so eine Zeit, die man zusammen hat, ja auch gegebenenfalls genutzt sein oder werden. Oder es gibt vielleicht auch die Erwartungshaltung, dass das, dass es dann so ist. Und es ist ja auch so, wenn du, wenn man jetzt mal an so Gespräche denkt oder auch an so an Situationen, dann ist es ja gemeinten auch durchaus eine.

Björn (07:38.769)
Hm.

Jan (07:54.188)
eine anerkannte Eigenschaft, wenn man in der Lage ist, auch jemanden zu unterhalten. Also wenn man auch in der Lage ist, äh…

Björn (07:58.483)
Mhm.

Jan (08:02.35)
sowas wie irgendwie die oder die Person, die kann den ganzen Abend einen Tisch unterhalten. Oder wenn man mit der zusammen ist, da fehlt man den ganzen Abend ein Gespräch und man merkt gar nicht, wie die Zeit verfliegt. Das heißt, das wird ja auch durchaus als positiv angenommen oder wahrgenommen, wenn man in der Lage ist, im Prinzip auch ein Gespräch aufrecht zu erhalten. Aber nicht immer passt das ja auch gerade.

der eigenen mentalen Situation. Ich hatte jetzt letztens erst eine Situation, das fand ich eigentlich ganz ganz schön, weil mir das auch so bewusst geworden ist. Da kam ich aus einem Workshop zusammen mit einer Kundin und wir sind dann mittags zusammen eine Kleinigkeit essen gegangen und waren dann auf dem Weg zum Restaurant und dann ist mir es auch aufgefallen, wie wir halt irgendwie so nebeneinander gingen und halt so gar nicht sagten.

Björn (08:48.531)
Hm.

Jan (08:50.19)
Wie ist es denn aufgefallen? Ich hab’s ja noch angesprochen. Ich hab gesagt, das ist jetzt auch nicht unhöflich gemeint oder so was. Tatsächlich arbeitet mein Gehirn gerade auch nach diesem Workshop. Ich bin gerade noch ein bisschen mental beschäftigt. Und ihr ging’s im Prinzip genauso. Insofern war das keine unangenehme Situation. Wir haben dann beide auch einfach diesen Moment Ruhe genossen. Obwohl es jetzt gemein ist, dass es eine Situation wäre, wo man sich so fühlen könnte, dass man denkt, man muss da ein Gespräch am Laufen halten. Das ist ja auch eine Art Umgang.

mit einer solchen Situation, dass man einfach mal auch anspricht, was man da gerade empfindet und guckt, wie das Gegenüber da gerade reagiert dazu.

Björn (09:28.723)
Du hast auch eben gesagt, wir nutzen Stille auch. Also du hast ja eben uns als Coaches als Beispiel genommen. Wir geben dann ja im Prinzip dem Klienten den Raum auch zu reflektieren, sich nach innen zu kehren und mal in sich rein zu horchen und das was groß ankündigen, dass wir einfach Stille in dem Moment zulassen. Das hat aber auch eine Provokation in sich. Ich musste da gerade dran denken.

Jan (09:32.206)
Mhm.

Björn (09:55.955)
Weil natürlich provoziert man, wenn man nicht sagt, dass der andere etwas tut, um diese Stille zu unterbrechen. Weil eine Stille hat die Provokation in sich, dass man dagegen etwas tun möchte. Zumindest bei vielen ist das so. Und je nach Kontext, richtig, natürlich. Also in so einer Zweier -Situation, in der man im Gespräch sitzt, provoziert Stille natürlich mehr, das Gegenüber irgendetwas preiszugeben oder die Stille zu brechen.

Jan (10:09.998)
Und je nach Kontext.

Björn (10:23.155)
Ich habe ja nun mal im Theater gearbeitet. Ich kann mich erinnern, dass ich in einer Produktion war, wo wir auch Stille genutzt haben. Also da wurde dann tatsächlich über einen längeren Zeitraum nicht gesprochen, auch nicht gesungen und es kam auch keine Musik, sondern man hat den Zuschauern mit dieser Stille allein gelassen und das wird auch in Filmen zum Beispiel genutzt. Ich weiß nicht, ob du den Film gesehen hast, aber ich finde, er macht das ganz grandios. Eigentlich ein Gruselfilm, A Quiet Place heißt der, kann ich jedem Zuhörer nur empfehlen. Da wird fast …

nicht gesprochen in diesem Film und alles passiert in unseren Köpfen. Das heißt, diese Stille provoziert, dass unser Verstand, unsere Vorstellungskraft selber arbeitet. Und das ist ja das, was wir im Coaching nutzen. Das ist ja der kreative Umgang mit Stille, wenn man so möchte. Dass wir den Raum frei machen für eigene Gedanken und auch die Gedanken der anderen.

Jan (11:21.87)
Ja, richtig. Genau, das ist auf jeden Fall im Coaching -Kontext. Und da geht es ja auch ein Stück weit darum, diesen Raum zu öffnen und dann auch das Potenzial zu nutzen, davon was dann halt eben passiert, wenn da etwas in Gang kommt und wenn dann im Prinzip auch, ja, Gedanken geäußert werden, auch dann nochmal überdacht werden, wenn sie geäußert sind und so weiter und so fort. Und man hat es sowohl in diesem Coaching -Kontext, aber man kann sich das natürlich auch alleine gönnen.

Also das ist ja etwas, was gefühlt in unserer Zeit aktuell auch immer weniger wird, nämlich dass man tatsächlich mal Stille hat und Stille jetzt würde ich sogar noch mal ein bisschen weiterfassen als einfach nur das nicht sprechen oder nicht nicht akustische akustische Reize gerade haben, sondern ein Impuls, den fast jeder hat oder viele Personen haben, ist es ist im Moment Pause, man zückt das Smartphone und scrollt durch irgendeinen Feed in Social Media.

Björn (11:52.689)
Hm.

Jan (12:22.67)
Man kriegt eigentlich die ganze Zeit Reize, visuell, auditiv, alles Mögliche und ist quasi die ganze Zeit mit Informationen überflutet. Aber dann tatsächlich mal das Handy beiseite zu legen, die Musik auszulassen, das Radio auszulassen und sich mal einen Moment Stille zu gönnen, kann unheimlich wertvoll sein. Auch einerseits um mal zur Ruhe zu kommen, aber andererseits eben auch um in Kontakt mit sich selbst, mit den Gedanken, mit dem eigenen Empfinden zu kommen.

Ich hab mich jetzt auch jüngst erst mit jemandem unterhalten, da ging es um Schweigeseminare und eben auch und auch längertägige oder mehrtägige Schweigeseminare und wir beide hatten so etwas noch nicht getan oder noch nicht gemacht, aber ein Bekannter von meinem Gesprächspartner in dem Zusammenhang hat das schon gemacht und der sagte halt auch, dass nach so ein paar Tagen der Stille

irgendwann dann halt auch dein Geist stiller wird. Du hast dann im Prinzip die ganzen Dinge, die auch in dir arbeiten und so weiter, die sind hochgekommen und die hast dann auch irgendwie bearbeitet oder hast mit denen gearbeitet und irgendwann kommst du dann quasi auch in eine ganz andere Wahrnehmung der Situation, deiner Umgebung. Und das kann ich… Ich bilde mir ein, ich könnte das nachempfinden, auch wenn ich es noch selbst noch nicht getan habe in dem Zusammenhang. Also was ich auch feststelle ist, dass…

dass es mir auch unheimlich hilft, nach unheimlich vielen Reizsituationen, also unheimlich vielen Situationen, die ich viele Reize bekommen habe, dann auch tatsächlich mich ein Stück weit zu besinnen, mal zu meditieren, zur Ruhe zu kommen und dann erstmal wieder diese Wogen zu glätten. Man beschreibt das ja in der Meditation auch ein Stück weit so, wenn du irgendwie ein Glas hast oder ein Teich und du schmeißt da viele Steine rein, dann kannst du quasi…

ist die Oberfläche voller Wellen und so weiter. Alles spiegelt sich, ist graus. Du kannst halt irgendwie nicht bis auf den Boden schauen. Aber wenn dann halt irgendwann mal die Zeit vergeht und man wirft da nichts hinterher, an Reizenimpulsen ist jetzt das Übertragene. Dann gletscht sich diese Oberfläche und du kannst wieder bis auf den Grund schauen und hast dann eine gewisse Klarheit. Und das sehe ich halt auch da als Möglichkeit von Stille.

Jan (14:34.944)
sowohl in der Eigenanwendung, wenn man das jetzt für sich macht, als auch in einem Coaching -Kontext, dass man da also auch durchaus mal die Möglichkeit gibt. Das ist auch viel wert, finde ich, auch als Einstiegs… Ja, Ritual ist vielleicht das falsche Wort, aber auch Methode, wenn man irgendwo in Gespräche geht und man kommt von irgendwo, wo es gerade vielleicht sehr stressig ist oder jemand war den ganzen Tag unterwegs, dass man nicht sofort startet, sondern erst mal sich einen Moment Ruhe gönnt und erst mal einschwingt auf die Situation. Und das vielleicht eben auch mit einer gewissen Still – und Achtsamkeit.

Björn (15:01.555)
Mh.

Ja, ich glaube auch, dass das eine Trainingsfrage ist, wie man mit Stille umgeht und was Stille für eine Auswirkung hat. Wenn man das regelmäßig macht, also wenn man zum Beispiel, wie du jetzt gesagt hast, regelmäßig meditiert oder einfach mal für sich selbst auch den Mund hält und Stille zulässt und in sich hineinhorcht oder vielleicht öfter mal in die Natur geht, wo es still ist. Und mit Stille meine ich jetzt nicht, dass die Natur still ist, sondern dass einfach die Einflüsse, die von außen kommen, nicht da sind.

Ich glaube, je öfter man das macht, das eine Beobachtung, die ich selbst gemacht habe, desto leichter fällt es einem dann in so einen Moment, wo man das bewusst einsetzt. Also wo man sagt, jetzt will ich das ganz bewusst einmal nutzen, um wieder ruhig und klar zu werden, desto leichter gelingt es einem. Das ist ja, wenn man es für sich selber macht, wieder so eine ganz andere Sache. Aber was mich interessieren würde, ist, wie gehst du denn mit unangenehmer Stille um? Weil wir hatten ja dieses Beispiel mit dem ersten Date, wo keiner was sagt.

Und jetzt müssen wir ja nicht bei dem Beispiel bleiben, weil wir sind nun beide nicht in der Situation, wo wir gerade auf erste Dates gehen. Aber es gibt ja trotzdem im Alltag unangenehme Stille. Wie geht man damit um? Was kann man Menschen vielleicht an die Hand geben, die sagen, mir ist es unangenehm, wenn es still ist? Was mir zuerst einfällt tatsächlich, ist die Frage, ob man einen Glaubenssatz mit sich rumtrickt, dass man immer der sein muss, der entertaint. Also ob man der sein muss, der immer …

dafür sorgt, dass das Gespräch am Laufen bleibt oder dass irgendwie Themen in der Luft sind. Das kann ja sein. Also du musst, muss, es fällt mir der Glaubenssatz in der Formulierung gar nicht ein, du musst gefällig sein. Also du musst immer der Unkomplizierte sein. Was stille kann ja unangenehm sein. Wie geht man damit um? Was sind deine Gedanken?

Jan (16:53.006)
Ja, erstmal hoffe ich, dass ich hier gerade auch im Hintergrund ein bisschen Stille habe, weil ich höre, dass jemand erboost ist. Meine kleine Tochter. Ich glaube, das Reizthema ist in diesem Zusammenhang Schokolade. Und ja, wie geht man damit um? Also.

Björn (16:59.731)
Ja.

Jan (17:12.174)
Grundsätzlich gehört er erst mal dazu, dass man das Gefühl hat, dass etwas unangenehm ist. Das heißt ja, du hast es gerade schon gesagt, das hat irgendwie damit zu tun, dass vielleicht Erwartungen nicht erfüllt werden. Ich bin ja ein Freund davon, einfach die Dinge dann auch relativ offen und ehrlich anzusprechen. Also erst mal, finde ich, ist die Feststellung, dass irgendwie gerade Stille da ist und dass man das als unangenehm empfindet, der erste Schritt. Also erst mal muss man sich ja bewusst machen.

dass jetzt irgendwas gerade in der Kommunikation nicht so läuft, wie man das eigentlich erwartet oder sich wünscht und dass das augenscheinlich mit Stille zu tun hat. Und wenn man selbst gerade keine aktiven Fragen oder sowas hat, die einem unter den Nägeln brennen, die man gerade stellen möchte, weil so würde man ja in einem Gespräch vielleicht sonst agieren, dass man einfach mal eine Frage stellt, dann stellt man fest, also irgendwie hakt jetzt hier gerade die Kommunikation. Entweder hätte ich jetzt erwartet, das Gegenüber fragt mal irgendwie nach oder

Die Antworten, die ich bekomme auf meine Fragen, sind total einsilbig. Oder es kommen vielleicht gar keine Antworten. Stichwort Streitsituation. Hast du gerade angesprochen. Und je nachdem gibt es also unterschiedliche Möglichkeiten, damit umzugehen. Ich finde immer, wenn man die Möglichkeit hat, möglichst authentisch umzugehen mit einer solchen Situation, dann würde ich das tatsächlich ansprechen.

Björn (18:14.843)
Hm.

Jan (18:33.964)
Dann würde ich tatsächlich ansprechen, sagen, also ich habe jetzt gerade den Eindruck, hier ist gerade irgendwie so eine unangenehme Stille, als würde das Gespräch gerade nicht laufen. Woran liegt es denn deiner Meinung nach? Also ist irgendwie gerade, haben wir uns gerade nicht zu sagen oder habe ich irgendwas Falsches gesagt, dass du irgendwie erboost bist oder brauchst du gerade einfach einen Moment Ruhe oder interessiert dich das nicht, worüber wir jetzt hier gerade sprechen, dann können wir auch überlegen, ob wir sonst irgendwie die Zeit anders nutzen, jeder für sich oder wie auch immer.

Aber ich würde mich auch freuen, in Kontakt zu treten. So könnte man so etwas ganz proaktiv ansprechen. Aber man hat natürlich nicht immer diese Situation, dass das so möglich ist. Und dann wäre quasi die zweite Option, dass man es eben versucht, tatsächlich ein Stück weit, also wenn man das jetzt beheben möchte, dass man ein Stück weit versucht, jemanden da aus der Reserve zu locken. Also doch nochmal irgendwie etwas aktiver Fragen zu stellen. In der Regel hat eben auch keine Ja oder Nein.

beantwortbaren Fragen, sondern welche, in denen man auch mal ein bisschen was erzählen müsste. Also das wäre quasi der nächste Satz. Und der dritte Punkt wäre es tatsächlich auszuhalten.

Björn (19:38.179)
Und was, wenn das nicht geht?

Jan (19:43.414)
Ja, also das Aushalten funktioniert ja sozusagen darüber, dass man in der Situation bleibt und es aushält. Wenn man nicht spricht und es nicht aushält, dann bleibt ja quasi nur noch die allerletzte Option, die Situation verlassen.

Björn (19:56.775)
Ja, ich meinte jetzt tatsächlich, aber was ist, wenn man wirklich den Eindruck hat, dass man Stille nicht aushalten kann? Also wo dann in meiner Meinung nach die Glaubenssätze halt wieder ganz krass ins Spiel kommen, weil wenn man Stille nicht aushält, dieses nach Innenkern eintritt und dann in dem Moment ein Reflex kommt, das halte ich nicht aus, dann ist es doch ganz wichtig, da genauer in sich rein zu horchen.

Jan (20:08.002)
Mhm.

Björn (20:23.635)
was man denn befürchtet. Also was ist die Angst, die einen dazu treibt, dass man glaubt, dass man das nicht aushält? Was könnte passieren? Das hatte ich tatsächlich auch bei einem Klienten schon mal, dieses Thema. Diese Sorge dann in solchen Situationen, das hatte ganz viel mit Kontrolle zu tun, dass das dann, was dann im Gegenüber, im Kopf vor sich geht, nicht mehr unter der eigenen Kontrolle ist. Und das ist natürlich…

schon ziemlich tiefgreifend. Also wenn man den Eindruck hat, wenn man selber die Stillen nicht füllt, entstehen beim Gegenüber Gedanken, die ich nicht steuern kann. Hui, also das war schon eher intensiv dann. Aber das, das, ich glaube, so eine Frage sollte man sich dann schon stellen. Wenn man grundsätzlich ein Problem damit hat, das muss ja jetzt nicht stille über drei Minuten sein. Es gibt ja auch Menschen, die es nicht schaffen, in einem normalen Dialog den anderen aussprechen zu lassen. Also die dann immer …

sofort, sobald jemand fertig ist, zack, bummst die Antwort hinterherhauen. Also wo gar nicht eine Reflexion stattfindet. Die beklagen sich dann oft darüber, dass sie den Eindruck haben oder dass sie gesagt bekommen, sie würden nicht richtig zuhören. Ist natürlich auch so, weil da ganz andere Dinge im Spiel sind. Aber das hat auch damit zu tun, dass die gleiche Person dann meistens mit Stille nicht gut umgehen kann.

Es ist immer diese Kontrolle der Situation übernehmen. Das ist wahrscheinlich wieder ein ganz anderes Thema oder ein sehr, sehr weitreichendes Thema, wenn wir jetzt über Kontrolle in solchen Gesprächen sprechen. Also im Sinne von Warum können wir nicht richtig miteinander reden? Also das ist wieder ein anderes Thema. Aber die die ich glaube, es ist wichtig für sich selbst nach nachzuhorchen, wenn man regelmäßig

Jan (21:47.854)
naja ja

Björn (22:13.843)
ein Problem damit hat, wenn mal nichts gesagt wird und den Eindruck hat, dass man das nicht aushält, sich zu fragen, was halte ich denn da wirklich genau nicht aus und was ist eigentlich die Sorge, was könnte passieren? Beim ersten Date, um jetzt die Brücke zum Anfang zu schlagen, ist sehr wahrscheinlich die Sorge, ich komme nicht gut an. Also als Beispiel, ich komme nicht gut an. Ich weiß jetzt nicht, ob es dann unbedingt attraktiver ist, wenn man dann die ganze Zeit redet, aber das lassen wir jetzt mal dahingestellt.

Jan (22:17.356)
Hm.

Björn (22:44.019)
Aber das können ja ganz vielschichtig sein. Also wie gesagt, ich hatte auch eben das Beispiel mit, ich habe das nicht unter Kontrolle, was mein Gegenüber jetzt denkt von mir. Das könnte natürlich in Streitsituationen ganz oft eine Rolle spielen. Gibt es viele Beispiele. Aber ich glaube, damit kann man, wenn man jetzt grundsätzlich ein Problem damit hat, schon ganz gut arbeiten, dass man sich wirklich genau fragt, mit was kann ich denn da jetzt eigentlich nicht umgehen, wovor habe ich Angst.

Jan (23:09.358)
Ja, absolut.

Björn (23:13.043)
Beenden wir das heute mit Stille?

Jan (23:15.662)
mir aus sehr gerne. Wir werden jetzt die nächsten fünf Minuten noch schweigen bevor wir die Zuhörer verabschieden. Vielleicht.

Björn (23:20.347)
Aber bevor, genau, bevor wir uns, wir werden uns noch verabschieden und dann habt ihr die Möglichkeit, fünf Minuten zu schweigen und Stille zu genießen.

Jan (23:28.526)
Oder so, genau, richtig. Auf jeden Fall fand ich diesen Exkurs über die Stille sehr kurzfeilig, mit relativ wenig Schweigen muss ich sagen in Summe. Vielleicht zusammengefasst kann man festhalten, dass Stille total individuell wahrgenommen wird, eben im Kontext der jeweiligen Situation, dass man sie auch bewusst einsetzen kann als Gesprächswerkzeug, auch um vielleicht das Gegenüber mal aus der Reserve zu locken. Und manchmal stellt man auch bei sich selbst fest,

Björn (23:34.163)
Ja.

Jan (23:58.062)
dass einem Stille gar nicht so leicht fällt und dann kann es sinnvoll sein auch da mal etwas tiefer zu schauen was denn die Gründe sind warum einem Stille vielleicht auch unangenehm erscheint und ja wir hoffen ihr hattet eine kurzweilige Zeit und freuen uns schon auf das nächste mal und bis dahin verabschieden wir uns bei euch und ja ich sage auf Wiederhören und freue mich aufs nächste mal

Björn (24:23.251)
Ich sage tschüss und genieße die Stille.

Jan (26:05.966)
Auf Wiederhören!

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